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Der Geist von Pfingsten

ZU DIESER PREDIGT IST KEINE TONAUFNAHME VERFÜGBAR!

 

Der Geist von Pfingsten
Gedanken zu Pfingstmontag von Pfarrer Ulrich Lindl

Heiliger Geist??
Mit dem Heiligen Geist können viele heute nicht mehr viel anfangen. Woran das liegt? Man kann ihn nicht sehen und auch nicht greifen! Der moderne Mensch glaubt aber nur, was er sehen und begreifen kann. Das ist ein aktuelles Problem. Für den modernen Menschen und für den Heiligen Geist.
An Pfingsten machen sich viele auf und davon in den Urlaub. Das kann man also mit Pfingsten machen. Urlaub.
Freilich steckt in Pfingsten viel mehr drin, wenn man so will. Die Friedens-Wallfahrt heute ist eine Demonstration an Pfingsten und eine Demonstration für Pfingsten. Sie demonstrieren, worum es an Pfingsten geht: dass wir uns auf die Beine machen mit dem Heiligen Geist.

Die Frage bleibt: Wie können wir den Heiligen Geist heute dem modernen Menschen vermitteln? Wie sag´ ich´s meinen Enkeln? Am besten erklären wir den Heiligen Geist mit dem, was er eigentlich ist: Energie – Energie von oben. Das dürfte wohl den meisten einleuchten. Denn mit Energie, mit Strom können alle was anfangen. Steck einfach den Stecker in die Dose und es läuft: das Radio, der Fernseher, die Waschmaschine und das Ladegerät  vom Handy auch: Dass es Strom gibt, bezweifelt wirklich niemand. Obwohl man auch den Strom nicht sieht. Aber er wirkt! Und was ein Stromausfall bedeutet, ist wohl allen klar. Nichts geht mehr!

Beim Heiligen Geist ist das genauso. Freilich geht es nicht um den Stecker und die Dose. Es geht um mehr. Pfingsten ist göttliche Kraft, Energie von oben. Eben der Beistand, den Jesus versprochen hat. Und – hat´s gewirkt? Ja, und wie! Das Pfingstereignis ist der beste Beweis dafür. Vor Pfingsten waren die Jünger wie gelähmt. Sie hatten sich im Abendmahlsaal abgeschottet und wussten nach der Himmelfahrt Jesu nicht wirklich, wie es mit ihnen und der Sache Jesu weitergehen sollte… Dann aber ist der Geist gekommen, von oben – und wie! In Zungen wie von Feuer – dazu der Wind, der mit einem Brausen hineinfährt in die kleine Schar der Jünger. Die verschlossenen Fenster und Türen werden aufgerissen. Und die verzagten Jünger brennen auf einmal. Pfingsten ist der energiegeladene, der begeisterte Aufbruch der Kirche in die Welt. Wenn Pfingsten nicht gewesen, wenn der Heilige Geist nicht gekommen wäre, gäbe es heute keine Christen und Jesus wäre längst vergessen.

Der Geist war wirksam mehr oder weniger. Durch 2000 Jahre Christentum. Entscheidend war immer, ob sich Christen an diese Energiequelle angeschlossen haben. Ob sie sich wirklich vom Geist Gottes antreiben lassen. Ist der Stecker drin?
Auch das hat der Heilige Geist also mit unserem Strom gemein. Man muss schon anschließen. Wenn nichts vorwärts geht, liegt das nicht am Heiligen Geist, sondern an uns… Pfingsten will uns neu „aufladen“ mit der Kraft des Heiligen Geistes!
Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zum Strom. Der Heilige Geist bringt nicht alles zum Laufen. Mit elektrischem Strom können Sie alles betreiben. Auch jeden Unsinn. Nicht umsonst gibt es ja auch den Zeitgeist, den Ungeist – unheiligen Geist. Der manchmal viel Unsinn anstellt und bisweilen auch gefährlich werden kann. Wieviel Ungeist hat gerade im vergangenen Jahrhundert unsagbares Leid über Millionen Menschen gebracht. Ja es gibt auch unheiligen Geist, der sich der Unwahrheit bedient. Heute nennt man das wohl „fake news“. Früher sprach man noch von Propaganda. Der Ungeist bedient sich der Unwahrheit.

Der Geist von Pfingsten ist klar und eindeutig ein Geist der Wahrheit. Jesus hat es klar angekündigt, dass der Geist, den er vom Vater aussenden werde, in die volle Wahrheit einführen wird. Und dieser Geist der Wahrheit wirkt. An seiner Wirkung kann man ihn auch erkennen. Der Apostel Paulus spricht von den Früchten des Geistes. Es lohnt sich genau hinzuhören, denn so wirkt sich der Heilige Geist aus: „Die Früchte des Geistes aber sind: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit“ (Gal 5, 22 f)
Umgekehrt warnt Paulus auch vor den Auswirkungen des Ungeists, der „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neid, Trinkgelage, Schlemmerei und dergleichen“ ( Gal 5,19 ff).

Ich frage mich, ich frage Sie: In welcher Zeit leben wir eigentlich? Wie heilig, wie unheilig ist die Geisteshaltung unserer Zeit? Pfingsten fordert uns auf zur Unterscheidung der Geister. Das ist wohl die wichtigste friedensschaffende Maßnahme. Denn den Frieden sichern wir nicht militärisch. Durch mehr Waffen. Es ist und bleibt eine geistliche Aufgabe für Menschen, die guten Willens sind.
Die großen Friedensinitiativen waren ja keine Waffengänge, sondern das Bemühen von Menschen, dem Ungeist von Krieg und Terror den Geist von Versöhnung und Zusammenarbeit entgegenzusetzen. Denken wir nur an die Väter des Grundgesetzes oder Staatslenker wie Adenauer und de Gaulle. Diese Zeit liegt Gott sei Dank schon lange zurück. Und auch die Liste der Friedensnobelpreisträger spricht eine eindeutige Sprache: Von Albert Schweitzer über Martin Luther King, Mutter Teresa bis hin zu Präsident Juan Manuel Santos im Jahre 2016, für seine erfolgreiche Aussöhnung in einem 50 Jahre währenden mörderischen Bürgerkrieg in Kolumbien. Der Geist weht, wo er will, wenn man ihn wehen lässt, wie er will. Und es ist ein Geist der in Wahrheit den Frieden will. Der Geist von Pfingsten!

Und zum Schluss noch etwas sehr Erfreuliches: Beim Heiligen Geist handelt es sich um erneuerbare Energie. Denn es ist der Geist Gottes. Dieser Geist Gottes ist unerschöpflich. Gottes Geist ist die Energiequelle schlechthin. Das haben Menschen in ihrem Leben immer wieder gespürt. Wie viel Kraft und Inspiration der Geist Gottes bewirkt. Man kann damit Berge versetzen und neue Wege gehen. Auch und gerade Wege des Friedens, und das mit aller Kraft.
Worauf es dann ankommt? Dass wir klar bekennen, wessen Geistes Kinder wir sind. Dafür haben Sie sich wieder auf den Weg gemacht nach Biberbach. Und ein Blick nach vorn macht klar, wohin der Geist führt, in die Nachfolge Jesu Christi. Das ist auch ganz logisch, denn schließlich hat er den Geist vom Vater ausgesandt. Bleiben wir dem Geist von Pfingsten treu. Setzen wir uns ein für eine Welt, wie Gottes Geist sie will!

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