Alles klar?
Alles klar?
Es wird abgeklärt und aufgeklärt. Fakten müssen her, Analysen sind gefragt! Für Geheimnisse wird es damit ganz schön eng. Gott und die Welt hegen aber Geheimnisse, die wir nicht in Großrechnern zerbröseln und unter Mikroskopen zerlegen dürfen.
Das heutige Evangelium richtet sich nicht an den vermeintlich gesunden Menschenverstand. Es ist auch nicht leicht verständlich für Leute, die es am liebsten Schwarz auf Weiß haben. Es ist vielmehr eine wunderbare Einladung an alle, die bereit sind, sich vom Unbegreiflichen ergreifen zu lassen, um wirklich begreifen zu können. Das Leben erklärt sich viel lieber und erschließt sich viel tiefer in Augenblicken. Und was für ein Augenblick erwartet die Jünger!
Nicht durch Zufall nimmt sie Jesus erst mal mit auf den Berg. Der Aufstieg auf einen Berg ist immer auch der Ausstieg aus den Niederungen des Alltags, in dem alles seinen geordneten Gang gehen muss, damit´s eben läuft.
Alles sieht ganz anders aus, wenn wir mal nicht drinstecken im Trott des Alltags. Auch dafür sind Berge wie geschaffen. Obwohl der Berg Tabor kaum 600 Meter hoch ist, von dort oben hat man eine wunderbare Weitsicht über ganz Galiläa. Die Welt sieht auf einmal so ganz anders aus. Und auch dem Himmel kommt man näher. Es ist alles andere als ein Zufall, dass die großen Offenbarungen Gottes auf dem Gipfel der Berge geschehen.
Was dann passiert, ist nicht mehr zu erklären. Jesus wird verklärt! Eine unbeschreibliche Ausstrahlung. Ein Moment zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch, der alles Begreifliche himmelweit übersteigt. Mose und Elija treten hinzu. Die großen Wegweiser aus Gesetz und Propheten. Ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Sie reden mit Jesus. Die eigentliche Erklärung aber, die kommt von ganz oben: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt. 17, 5) Hier wird die Verklärung zu einer göttlichen Erklärung. Zu einer wahren Offenbarung!
Petrus, Jakobus und Johannes sind ganz außer sich. Diese unbeholfene Fassungslosigkeit wirkt irgendwie auch rührend. Menschen geraten aus der Fassung, weil es auch das Ungewöhnliche, das Außergewöhnliche gibt. Petrus will gleich etwas machen. Klar. Am besten was bauen. Drei Hütten. Aber das geht nicht. Wie könnte man den Himmel auf Erden in Hütten fassen!
Haben wir auch schon einmal einen unvergleichlichen, unvergesslichen Augenblick erlebt, der uns fassungslos gemacht hat? Der uns nur das eine wünschen lässt, wie in Goethes Faust: „Verweile doch! du bist so schön!“ Und doch sind diese Augenblicke gerade darum so himmlisch, weil sie nicht bleiben. Den Himmel auf Erden gibt es nicht. Aber doch so etwas wie eine Ahnung davon. Himmlische Augenblicke kann man nicht festhalten.- Umso mehr gilt, es sie im Gedächtnis des Herzens sorgsam zu bewahren.
Und auch auf dem Berg bleibt man nicht für immer. Es folgt der Abstieg. Und für Jesus beginnt ein harter Weg. Denn der nächste Berg für ihn heißt „Golgotha“… Seinen Jüngern sagt er, sie sollen niemandem etwas erzählen. Himmlische Augenblicke kann man nicht beschreiben, man darf sie auch nicht zerreden. Es gilt, sie sorgsam zu verwahren. Warum? Weil wir sie später brauchen. In den Zeiten des Lebens, in denen vieles unklar ist und dunkel. Diese Zeiten gibt es ja auch. Für die Jünger werden sie bald kommen. „Habt keine Angst!“ Diese Worte gibt Jesus den Seinen mit auf den Weg.
In Jerusalem wird Petrus Jesus verleugnen und alle anderen, bis auf Johannes, machen sich aus dem Staub und tauchen unter. Man mag sich fragen: Was ist eigentlich aus dem Augenblick der Verklärung geworden? Hat die Begegnung auf dem Berg Tabor nicht alles ein für alle Mal klar gemacht?
Sie werden Jesus wieder verklärt sehen. Dann nach Ostern als den Auferstandenen, den Herrn. Als einziger wird Thomas noch nach Beweisen fragen, nach harten Fakten. Aber am Ende wird auch er ergriffen von dem Geheimnis des Glaubens, das wir nie ganz begreifen werden. Begreifen wir wohl wirklich erst, wenn wir ergriffen werden…!
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du öffnest uns die Augen des Geistes und die Augen unseres Herzens. Wir bitten Dich:
Für alle die andere gerne blenden, und für all jene, die sich leicht blenden lassen.
Für unsere Kommunionkinder: lass sie einen guten Zugang finden zu der Begegnung mit Dir im Sakrament der Eucharistie.
Für uns, dass wir uns den Blick für das Wesentliche bewahren und Dich nie aus den Augen verlieren.
Für unsere Verstorbenen: lass sie das Licht Deiner Herrlichkeit schauen.
Herr Jesus Christus, in Deinem Licht schauen wir das Licht. Das macht für uns so vieles klarer. Und dafür danken wir Dir. Amen.
