Anfang und Ende von Ostern…
Anfang und Ende von Ostern…
Mit Pauken und Trompeten Auferstehung feiern. Am besten mit dem Händel-Halleluja in aller Pracht und Herrlichkeit. So hätten wir auch anfangen können. Aber wir haben es nicht getan. Weil Ostern nicht so angefangen hat, sondern so ganz anders…
Machen wir den Faktencheck. Und wir müssen eines zugeben: die Auferstehung hat niemand gesehen. Es gibt keinen einzigen Augenzeugen. Aber wie könnte ein Mensch so etwas wie die „Auferstehung eines Toten“ auch bezeugen? Es geht hier ja nicht um die Wiederbelebung eines Verstorbenen. Da wurde der Erste auferweckt ins ewige Leben. Das übersteigt unsere Sinne und unseren Verstand natürlich auch.
Was aber bleibt dann übrig an Ostern? Richtig, der Gang zum Friedhof. So und nicht anders hat Ostern auch begonnen: mit Menschen auf dem Weg zum Friedhof. Im Dunkel des Morgengrauens. Vorsichtig bahnen sich zwei Frauen, Maria aus Magdala und eine andere Maria, den Weg zum Grab.
Wir sind wohl auch alle sehr vorsichtig in die Osternacht hereingetappt. Haben nach einem Platz gesucht, wo wir bleiben können. Und dann haben wir im Morgengrauen gewartet. Gewartet auf das Licht der Osterkerze, die soeben am Osterfeuer entzündet wurde. Und darin verbrennen gerade viele Grabkreuze. Gut so! Keine Pauken und keine Trompeten also. Es sind schon eher gemischte Gefühle an diesem Morgen. Auch 1996 Jahre nach seiner Auferstehung.
Noch viel gemischter waren sie damals. Heute wissen wir ja, was uns erwartet. Davon konnte damals am Grab Jesu noch keine Rede sein. So was wie „Auferstehung“ war bis dahin völlig unbekannt, ja menschlich gesehen völlig undenkbar!
Was die Frauen tun wollten, war das, was sie tun konnten: Sie wollten den Leichnam Jesu salben. Und hatten nur ein Problem: wer würde ihnen den schweren Rollstein vom Eingang des Grabes wegwälzen?
Aber dann! Plötzlich erbebt die Erde. Eine Lichtgestalt erscheint… Die ersten Berichte der Auferstehung, die das Morgengrauen aufreißen, sie lassen sich nur schwer in Worte fassen? Wie soll man Unbeschreibliches auch beschreiben. Ein erstes Erschrecken. Dann die Botschaft: „Fürchtet euch nicht. Er, den ihr sucht, ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Ein Moment des Erinnerns. Dann der Auftrag: „Geht schnell zu den Jüngern und berichtet ihnen!“
Mit einem Mal hat sich alles geändert. Furcht verwandelt sich in aufgeregte Freude. Ostern macht Beine. So und nicht anders hat Ostern begonnen. So und nicht anders breitet es sich auch aus. Wie ein Lauffeuer.
Zuerst erreicht es die Jünger, dann viele andere. Vor allem aber erreicht dann der Auferstandene selbst die Seinen. Immer wieder wird er auf sie zukommen. Sich sehen und begreifen lassen. Die Furcht schwindet, Freude wächst. Und endlich löst sich auch der Zweifel eines Thomas in seinem ergreifenden „Mein Herr und mein Gott!“
War nicht auch das Licht der Osterkerze für uns heute morgen die große Wende? Die ganze Osternacht ist auf einmal zum „Osterlicht“ geworden. „Licht Christi, Gott, wir danken Dir!“ Dieses Licht hat uns erreicht und wir haben es weitergereicht. Dadurch wurde es immer heller. Eine Flamme kann man auslöschen. Aber das Osterlicht, das sich ausbreitet unter den Jüngern, in der Kirche, auf der ganzen Welt…, dieses Licht brennt seither unauslöschlich und es brennt für ihn. „Für ihn brennen!“ Ja, genau darum geht es an Ostern. Damals wie heute.
Worüber soll ich denn an Ostern predigen? Auf meine Frage gab mir eine Frau aus unserer Pfarrgemeinde gleich ihr Anliegen mit: Auch darum habe ich nicht mit Pauken und Trompeten angefangen. Sie klagte über ein Gefühl der Leere in unserer Zeit. „Irgendwie geht doch nichts mehr richtig voran. Kein Aufbruch, schon eher Resignation. Es fühlt sich irgendwie gelähmt.“ Klingt so gar nicht österlich. Aber genau dagegen setzt Ostern ein Zeichen, ein Lebenszeichen! Denn wie gesagt, aus der Leichenstarre der Trauer führt es heraus. Hinein in einen neuen Aufbruch. Ostern ist wirklich der Anfang von etwas ganz Neuem. Unvorstellbar, aber wahr!
Gewiss, wir können Ostern nicht herbeireden. Es gibt keinen Lichtschalter für Ostern. Wir können uns auch nicht selbst erlösen. Das können wir nicht und das müssen wir auch nicht.
Die Erlösung aus dem tödlichen Schicksal allen irdischen Lebens kann nur göttlich sein. Und sie ist es auch. „Kein Auge hat es gesehen…“ Aber es ist in das Herz so vieler Menschen gedrungen.
Die beiden ersten Osterzeugen haben Ostern nicht herbeigeredet. Sie haben angefangen, daran zu glauben. Sie sind in die Gänge gekommen und haben es weitergesagt: Jesus lebt, der Herr ist wahrhaft auferstanden!“
Die Botschaft von Ostern ist nicht machbar. Sie ist und bleibt ein göttliches Geschenk der Erlösung. Ostern befreit uns vor dem Wahn, uns selbst erlösen zu müssen, das können wir nicht. Aber dass wir erlöst sind, gibt uns viel Beinfreiheit. Lauffeuer statt Totenstarre. Aufbruch statt Resignation.
Ja, es mag viele Probleme geben. Wir wollen sie nicht kleinreden. Aber das größte Problem hat Ostern doch längst ein für allemal gelöst. Das sollte uns Christen unabhängig machen, frei und mutig. Ostern gibt uns mehr Beinfreiheit im Leben. Nehmen wir den Ball auf, den uns Jesus zuspielt. Keine Menschenfurcht und keine Zukunfts, wir glauben doch an das Leben!
Die Lebensperspektive von Ostern ist der Himmel. „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“ Was erst, wenn das Himmelreich der Wille des Menschen ist! Das ist der Gamechanger des Lebens. Das ist dann Ostern!
