Hochfest der Geburt Johannes des Täufers
Hochfest der Geburt Johannes des Täufers
Haben Sie sich auch schon mal gewundert? Glauben sie an so etwas wie Wunder? Oder sind Sie eher ein Realist. Aber ist es überhaupt realistisch, nicht an Wunder zu glauben? Davon war zumindest David Ben Gurion, der erste Präsident Israels, überzeugt: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“. Und Katja Ebstein sang 1970 dazu den passenden Schlager: „Wunder gibt es immer wieder“. Also nochmals gefragt: Glauben wir an Wunder? Können wir uns noch wundern? Als Kinder ist uns das doch ganz gut gelungen!
Was ein Wunder zu einem Wunder macht: dass wir damit nicht rechnen, weil es menschlich gesehen unmöglich ist. Und wir reden hier nicht von einem Ball, der seit über 70 Jahren als „Wunder von Bern“ die Runde macht.
Marie von Ebner Eschenbach hat völlig recht, wenn sie sagt: „Es gibt kein Wunder für den, der sich nicht wundert.“ Ich wundere mich aber ganz gern. Wir tun es wohl alle…!
Am Anfang der Menschwerdung Gottes haben sich auch Menschen gewundert. Ein Zacharias im Tempel. Seine Frau war bereits jenseits des gebärfähigen Alters. Der sehnliche Kinderwunsch längst begraben. Und sechs Monate Maria. Sie war noch zu jung, erst verlobt und noch nicht verheiratet. Johannes wie nach ihm Jesus sind ein „geborenes Wunder“!
Dass diese Wunder auch wahr werden konnten, lag zunächst bei Gott. Aber von Seiten des Menschen muss was dazukommen: der Menschen muss offen sein für so etwas wie „Wunder“. Zacharias hatte Zweifel. Und es hat ihm die Stimme verschlagen. Auch Maria war nicht leichtgläubig. Aber auf den Hinweis des Engels, „Bei Gott ist nichts unmöglich“ stimmt sie zu: „Ja, mir geschehe, wie du es gesagt hast!“
Wunder sind keine Selbstläufer. Wunder werden nur wahr, wenn wir daran glauben, dass sie auch wahr werden können. Und damit das unsere beitragen.
Viele Menschen haben wunderbare Träume, aber sie tun am Ende nichts, damit sie auch wahr werden. Es ist doch schade, wenn man sein Leben verträumt, anstatt seine Träume zu leben.
Man muss schon wissen, was man will. Des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich. Johannes wusste, was er wollte. Er wollte kleiner werden. Das klingt ungewöhnlich. Normalerweise wollen Menschen doch groß rauskommen. Aber genau das wollte Johannes nicht. Er wollte kleiner werden, damit der, der nach ihm kommt, möglichst groß werden kann.
„Johannes“. Eigentlich hätte er wie sein Vater Zacharias heißen müssen. Aber dann wurde doch ein Johannes draus. Das heißt auf gut Deutsch: „Gott ist gnädig“. Der Name ist Programm!
„Gnade“ bezeichnet das, was wir nicht aus uns selbst haben. Gnade ist das, was noch dazukommen muss, wenn´s am Ende ganz gut werden soll.
„Gnade uns Gott!“, wird in unserem Sprachgebrauch als Drohung gesehen, wenn was nicht glatt laufen will. Warum eigentlich? Eigentlich ist es doch ein Gebet zum Himmel: „Bitte, lieber Gott, gib Du Deine Gnade dazu!“
Ja, es ist schon ein Wunder und Zeichen von Gnade, dass Johannes gelungen ist, was er vorhatte. Er ist wirklich immer kleiner geworden. Und er, dem er den Weg gebahnt hat, hat seinen Weg gefunden. Am Ende hat Johannes sogar seinen Kopf dafür hingehalten. So etwas schafft man nicht aus eigener Kraft. Dazu gehört schon mehr… Gnade eben!
In einer Zeit, in der immer mehr machbar erscheint, kann es für so was wie „Wunder“ richtig eng werden. Damit aber ginge uns Menschen vieles, ja das Entscheidende verloren.
Das Entscheidende unseres Lebens können wir ja nicht machen. Das Leben an sich nicht ein einziges Wunder. Und so vieles im Leben auch: Man kann eben gut Fußball spielen. Ein begnadeter Fußballer hat aber noch mehr drauf. Es gibt gute Musiker und manche spielen halt begnadet.
Wer an so etwas wie Gnade glaubt, wer bereit ist, sich zu wundern, der kann in seinem Leben über sich hinauswachsen. Und ist hoffentlich dankbar dafür.
Lionel Messi ist das auch: Nach einem Tor bekreuzigt sich der Katholik häufig, um dann zum Himmel zu zeigen. „Ich stehe jeden Morgen auf und danke Gott dafür, was ich erleben darf“, sagt er auch der Satz stammt von ihm: „Ich bin sehr gläubig, das reicht.“
Und auf der Haut des teuersten Superstars, Neymar, kann man neben einem Bild von Jesus lesen: „Glaube“ und „Gott ist treu“. Und dann steht da auch noch ein Gebet: „Möge Gott mich segnen“.
Und was ist mit Ronaldo los? So selbstbewusst, wie der auftritt… Eines sagt der begnadete Stürmer in aller Öffentlichkeit: „Mein Talent ist ein Geschenk Gottes“. Das Zitat könnte auch aus dem Mund Johannes des Täufers stammen.
Sei Name ist „Johannes“. Und dieser Name wurde zum Programm: Ja, Gott ist gnädig. Und es ist schon eine Gnade, wenn Meschen glauben können und sich noch wundern, weil es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir uns nicht erklären können. Gott sei Dank! Amen.
Fürbitten
Gnade und Barmherzigkeit, sind Wesenszüge, die Du Gott in Dir trägst und die du auch uns wünschst, wir bitten dich.
- Für alle, die sich gnadenlos überfordert werden oder sich selbst überfordern.
- Für alle, die sich in ihrem Leben mit zu wenig Gnade begnügen.
- Für alle, die sich nicht mehr wundern können, weil scheinbar alles selbstverständlich geworden ist.
- Für alle, die auf ein Wunder hoffen, weil nur noch ein Wunder helfen kann.
- Für uns, dass wir bereit sind, uns gut und gern zu wundern, weil wird damit dem Leben jene Aufmerksamkeit schenken, die es verdient.
Guter Gott, Wunder gibt es immer wieder. Und das verdanken wir in aller Offenheit allein Dir.
