Worte bringen Frucht
Worte bringen Frucht
Die Urlaubszeit rückt näher. Und ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist: Ich lerne immer vorab wenigstens einige Wörter in der Landessprache meines Urlaubsziels. Eine Begrüßung oder das Wort „Danke“ in der Landessprache kommt immer gut an. Wörter sind wichtig, weil sie wirken. Sie dienen der Verständigung von Mensch zu Mensch.
Also los geht´s! Zunächst einmal muss man hören und sprechen können. Und dann muss ich die Spreche lernen wollen. Es braucht also Motivation. Nach dem Motto: „Ich kann´s gut brauchen.“
Wörter lernen, Wortschatz aufbauen. Wörter allein nützen ja nicht viel. Man braucht auch ein Verständnis für die Grammatik. Wie verbinde ich Wörter, damit am Ende kein Wortsalat rauskommt.
Früher hat man ja in der Schule zumeist stur übersetzt. Heute versucht man möglichst schnell ins Sprechen zu kommen. Learning by doing. Gut so! Man lernt ja nicht für die Schule, sondern fürs Leben. Und für den Urlaub, wenn man sich im Ausland mit anderen ein wenig unterhalten möchte. Und sich dann darüber freut.
Im Glauben ist das ganz ähnlich: Wir beten ja nicht einen toten Stein an. Wir glauben an einen lebendigen Gott, der uns anspricht, der mit uns ins Gespräch kommen will. Und das mit Hilfe von Worten: Prophetenworte – Jesusworte. Aufgeschrieben in den Büchern und Briefen des Alten und Neuen Testaments. Wir können darin lesen und hören daraus im Gottesdienst.
Die ersten Worte, einen Grundwortschatz im Glauben, haben uns wohl unsere Eltern, Oma und Opa vermittelt. Wir haben sie hoffentlich besser verstehen gelernt im Religionsunterricht und mit ihnen gebetet in der Kirche.
Worte muss man sich einprägen. Den Wortschatz immer wieder wiederholen. Eine Sprache kann man im Laufe des Lebens ja auch wieder verlernen. Das gilt für die Sprache des Glaubens auch. Und so mancher erschrickt, wenn er auf einer Beerdigung beim Vaterunser ins Stocken gerät.
Und was sind nun die wichtigsten Wörter im christlichen Grundwortschatz? Wie wäre es mit Glaube, Hoffnung und Liebe: Mit Gerechtigkeit und Friede? Aber dann kommt ja noch was ganz Entscheidendes dazu: Dass diese Worte in unserem Leben lebendig werden und Fleisch annehmen. Liebe ist ja mehr als nur ein Wort, wir spüren es, wenn wir lieben. Glaube schenkt vertrauen, wenn wir dem Glauben Glauben schenken. Hoffnung lebt, wenn sie am Ende eben nicht stirbt. Friede wird wahr, wenn wir einem die Hand reichen. Gerechtigkeit wächst, indem wir teilen. Und, und, und.
Die Sprache des Glaubens ist eine Weltsprache. Eine Sprache für alle, die glauben. Erinnern wir uns an Pfingsten. Alle haben sich auf Anhieb verstanden, obwohl sie unterschiedliche Sprachen gesprochen haben. Das erleben wir doch auch heute so: Wenn wir im Urlaub irgendwo auf der Welt die Messe besuchen. Wir sind mit dabei und haben teil an einer weltweiten Glaubensgemeinschaft.
Das Gleichnis von Samen, der da ausgesät wird, ist ein Bild für das Wort des Glaubens. Das Wort können wir uns nicht selbst geben. Wie auch die Saat nicht gemacht werden kann. Als Menschen sind wir aber grundsätzlich empfänglich für das Wort Gottes. Wir haben ein Talent für Gott.
Freilich muss man es erst einmal heraushören. Das ist heute nicht mehr ganz so einfach. Wenn ich mir die Slogans so anhöre, die oft nicht ganz so fromm daherkommen.
Und dann braucht es Zeit. Wie sich die Saat einwurzeln muss, um Frucht zu bringen, so braucht auch der Glaube Zeit, um sich zu vertiefen. Die Zeit muss man sich aktiv nehmen, wenn´s was werden soll.
Und man muss den Glauben hegen und pflegen. Wer einen Garten hat, weiß: Unkraut kann vieles ersticken. Jesus spricht das an und nennt die Sorgen dieser Welt und den trügerischen Reichtum. Uns fallen bestimmt noch andere Beispiele ein, die dem Glauben die Luft zum Atmen nehmen können.
Es wäre doch am Ende traurig, wenn die Saat aus welchen Gründen auch immer nicht aufginge. Wenn wir nicht mehr in der Lage wären, zu beten und mit Gott und untereinander über den Glauben ins Gespräch kommen könnten!
Was würde wohl am Ende aus uns, was bliebe übrig? Und was wird wohl aus einer Gesellschaft, der zum Thema „Gott“ und „Glaube“ nichts mehr einfällt.
Aber das Gleichnis schließt ja erfreulich positiv ab. Und das ist ein Ansporn: „Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“
Bleiben wir darum empfänglich für das Wort Gottes. Hören wir hin, nehmen wir uns Zeit, versuchen wir zu verstehen. Und versuchen wir dann zu leben, was wir verstanden haben.
Wie hat es Roger Schutz so schön ins Wort gebracht: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast, und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es!“
Fürbitten
Lebendiger Gott, Du bist von Dir auf uns zugekommen. Du sprichst uns an, willst mit uns Menschen ins Gespräch kommen. Wir danken Dir und bitten Dich:
Für alle, die sich schwertun, im Stimmengewirr unserer Zeit, Worte zu finden, die ihnen wirklich etwas zu sagen haben.
Für alle, die der Wahrheit das Wort reden ob gelegen oder ungelegen.
Für alle, denen es schwerfällt, in ihrem Leben die richtigen Prioritäten zu setzen.
Für alle, die in ihrem Leben etwas versprochen haben, dass sie ihrem Versprechen treu bleiben können.
Für uns, dass wir Dein Wort hören, versuchen es mehr und mehr zu verstehen und es dann auch umsetzen in unserem Leben.
Guter Gott, Dein Wort können wir nicht nur hören, wir können es auch in uns aufnehmen. Denn das Wort ist Fleisch geworden in Jesus Christus, Deinem Sohn, unseren Herrn, den wir empfangen dürfen im Sakrament der Eucharistie.
Amen.
