Den Schatz im Leben heben
Den Schatz im Leben heben
Wer von uns hat schon mal einen Schatz gefunden? Schatzsuche hat was Faszinierendes. Dazu gehen mehr und mehr Menschen wie im Gleichnis auf einen Acker. Mit einem Metalldetektor. Und die Freude ist groß, wenn man eine kleine Münze aus längst vergangenen Zeiten findet.
Aber natürlich gibt es wertvollere Schätze. Die finden sich nicht im Acker, sondern mitten im Leben. „Mein Schatz“ oder „Schatzilein“. Verliebte nennen sich gern oft so…
Die Freude ist groß im Evangelium. Verständlich. Da findet ein Mann überraschend einen Schatz im Acker. Dann macht der Mann macht alles richtig: Er steckt den Schatz nicht einfach ein, das wäre ja Diebstahl. Seine Freude ist so groß, dass er alles verkauft, sein gesamtes Vermögen lässt er sich´s kosten. Was muss das bloß für ein Schatz gewesen sein?
Denken wir an dieser Stelle ruhig mal darüber nach, was wir in unserem Leben am meisten schätzen… Wofür würden wir alles geben, weil es uns wirklich alles wert ist?
Und um welchen Schatz geht es nun im Gleichnis? Dieses Geheimnis wird gleich zu Beginn gelüftet: Es ist das Himmelreich! Und was ist dann der Acker? Das sind wir mit unserem Leben.
Aber den Himmel auf Erden gibt es doch nicht. Oder gibt es ihn doch? Angelus Silesius hat das einmal wunderbar so ausgedrückt: „Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für!“
Seit unsere Taufe haben wir Anteil am Himmel. Den Schatz verdanken wir Jesus. Der mit in uns eingetaucht ist bei unserer Taufe. „Jesus lebt, mit ihm auch ich.“ Das singen wir nicht nur an Ostern, daran dürfen wir zutiefst auch glauben. Wenn das so ist, wenn Jesus in uns lebt, dann himmelt es schon jetzt in uns. Das ist also der Schatz, um den es geht.
Erfüllt uns das mit der Freude, die das Gleichnis aussprüht? Könnte, ja müsste eigentlich so sein! Denn über den Himmel geht nichts drüber. Ich höre die Worte Jesu: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt.“ Und, hat er nicht recht!
Wir sollen den Schatz im Leben heben, um Himmels willen, wir wollen es doch auch. Jesus ist dabei unser Schatzmeister und Trainer zugleich. Er ermuntert uns zur Einsatzfreude. Das macht er deutlich im Gleichnis von den Talenten. Wir haben Talent für Gott! Und Jesus zeigt uns, wie wir unsere Talente gut einsetzen können. Vergraben dürfen wir sie nicht. Den Schatz im Acker zu lassen, wäre keine gute Idee!
„Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“ Dieser Gedanke taugt allenfalls für einen Faschingsschlager… Nein, man muss sich dafür schon einsetzen. Um Himmels willen… Nein, nicht verbissen, sondern mit Freude. Einsatzfreude ist gefragt!
„I am Third!“, stand auf einem goldenen Anhänger, den ein berühmter amerikanischer Basketballprofi am Hals trug. Ein Reporter sprach ihn darauf an: „Wenn Sie an dritter Stelle kommen, wer steht dann bei Ihnen ganz oben?“ Seine Antwort: „Gott!“
Darum geht es auch im Gleichnis. Denn das Reich Gottes ist da, wo Gott ist. Jesus hat uns Gott gebracht. Und er will uns für das Himmelreich gewinnen. Das geht bei einem Basketballer. Und das gelingt natürlich noch einfacher als Mesnerin.
Frau Merli, vor über 18 Jahren haben Sie Ihren Dienst als Mesnerin angetreten. Sich haben sich diese Aufgabe nicht gesucht. Sie haben sich ansprechen und dann auch dafür gewinnen lassen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen am Anfang wohl ergangen ist. Vielleicht waren es gemischte Gefühle. Was kommt da alles auf mich zu. Und ja, es ist eine ganze Menge, wenn man als Mesnerin tätig ist.
Vieles von all dem sieht man ja nicht, weil es im Hintergrund geschieht. Die Vorbereitungen, die Nachbereitungen. Jeden Tag im Lauf des Kirchenjahres. Vom Advent mit seinen Rorateämtern, Weihnachten und der Kar- und Osterzeit. Der Maialtar und Erntedank… Das lässt sich sehen, und es freut auch viele. Aber es ist auch eine Menge Arbeit, die getan werden will, weil sie getan werden muss.
Was Sie, Frau Merli, dabei immer erkennen ließen: Sie haben es gut und gern getan, weil es Sinn macht. Wenn unser Tun sinnvoll ist, schenkt das unserem Tun auch Kraft. Und es war auch viel Freude mit dabei. Die Einsatzfreude, von der im Gleichnis ja so viel die Rede war. Die gibt es wirklich. Vieles wiederholt sich auch, aber es sollte nicht zur bloßen Routine werden.
„Es ist mir eine Ehre.“ Diese innere Einstellung, als Mesnerin mit heiligen Zeiten und heiligen Dingen umzugehen, ja dem Allerheiligsten näherzukommen als so viele andere, war Ihnen immer eine Ehre.
Und Sie waren nah dran an den Menschen. Als Mesnerin ist man, wie auch Pfarrbüro Frau Kratzer, mit der Sie ja damals angefangen haben, oft erste Ansprechperson. Sie waren eine gute Visitenkarte unserer Pfarrei gerade auch, wenn Besucher von auswärts kommen. Nahe dran waren aber auch Viele an Ihnen. Viele haben gut und gerne mit Ihnen „zusammenschafft“. Zusammenschaffen lässt auch zusammenwachsen. Sie hatten immer wieder das Glück gehabt, andere dafür zu gewinnen. Und das ist ja auch wahr: Wenn wir einen Schatz im Leben heben, der uns wertvoll ist, strahlt das auf andere aus.
Auch unsere Biberbacher Ministranten hatten immer einen guten Draht zu Ihnen. Und wenn wir uns an diesem Sonntag über 16 neue Ministranten freuen dürfen, dann freuen Sie sich bestimmt besonders mit. Es soll ja gut weitergehen. Mit unseren Minis. Und auch mit der Mesnerei. Darum ist es auch ein Grund zur Freude, dass das Ehepaar Englisch aus der Kupfergasse im August übernimmt, die Sie bereits gut eingeführt haben, liebe Frau Merli.
Wenn wir Sie heute verabschieden als Mesnerin, dann bleiben Sie uns Gott sei Dank als Schatz in unserer Pfarrei erhalten. Als Lektorin und Kommunionhelferin und mit Ihrer Sangesfreude und Sangeskraft. Und vor allem als echter Mensch und überzeugter Christ.
Der Dienst als Mesnerin war Ihnen eine ehrenvolle Pflicht. Ja, ich durfte ihm, meinem Herrn und Gott, dienen. Jetzt wünschen wir dem Kürprogramm in und mit Ihrer großen Familie mit Gottes Segen viel Freude und gutes Gelingen. Und sagen Ihnen, liebe Frau Merli, von Herzen „Vergelt´s Gott“. Amen.
