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Der verhexte Weizen

Der verhexte Weizen

Reden wir heute mal über was anderes. Reden wir über den Taumel-Lolch. Kennen Sie nicht? Also dann mal aufgemerkt! Der Taumellolch ist Unkraut, die auf dem Acker wächst. Der Taumelloch ist trügerisch; er sieht ähnlich aus wie Weizen, ist aber keiner. Der Taumellolch ist besitzergreifend, er verwurzelt sich breit im Ackerboden, auch mit dem guten Weizen. Und vor allem, er seine Körner auch noch giftig. Der Taumellolch ist also ein gefährliches Unkraut und wurde darum nicht von ungefähr als „verhexter Weizen“ bezeichnet.

Mit diesen Infos sind wir gut vorbereitet für das heutige Gleichnis. Gleichnisse gehören zum Herzstück der Verkündigung Jesu. In Form von Gleichnissen, erklärt er uns Inhalte des Glaubens, die wir nicht so leicht greifen und begreifen können. Etwa das „Himmelreich“. Oft genug nimmt er für seine Gleichnisse vergleiche aus der Landwirtschaft. Und das aus gutem Grund: 70 Prozent der Bevölkerung lebte zur Zeit Jesu von der Landwirtschaft. Die Leute, die Jesus zuhörten, wussten also Bescheid.

Mit diesem Vorwissen wissen wir: wer dieses Unkraut im Acker hat, der hat ein Problem. Und dieses Problem lässt sich nicht lösen, indem man den Taumelloch kurzerhand ausreißt. Man würde den guten Weizen mit ausreißen.

Was damit am Ende nur übrig bleibt, schlägt der Gutsherr dann auch vor: beides zusammen wachsen lassen. Auf diese Weise kann man ja den Weizen am Ende doch noch ernten. Den Taumellolch musste man dann allerdings sorgsam aussondern. Sein Genuss kann nämlich zu Übelkeit führen bis hin zur Erblindung.

Aber wie ist es eigentlich dazu gekommen? Zunächst war doch von einem Mann die Rede, der gute Saat auf seinen Acker ausbrachte. Richtig. Aber dann haben alle geschlafen und es kam der Feind. Unbemerkt streute der diesen verhexten Weizen dazwischen und machte sich auf und davon.

Was fangen wir mit diesem Gleichnis nun an? Jesus geht es natürlich nicht um eine landwirtschaftliche Betriebsanleitung. Es geht ihm vielmehr um eine tiefere Wahrheit. Und die Jünger wollen es genauer wissen. Sie bleiben dran an Jesus. Die meisten gehen heim. Für die, sich Zeit nehmen, erklärt Jesus das Gleichnis.

Zuerst stellt er klar: Ja, es gibt das Böse fest verwurzelt im Erdreich dieser Welt. Das müssen alle wissen, damit rechnen. Aber es gibt auch die gute Saat. Die wurde übrigens zuerst ausgestreut. Das Gute kommt vom Guten, von Gott. Und wir glauben an das Gute.

Aber es gibt auch das Böse in der Welt. Das ist der Feind in unserem Gleichnis. Mit ihm müssen wir rechnen. Er hat genau dann seine Chance, wenn die Menschen schlafen. Oder sagen wir einmal, wenn sie sich nicht vor dem Bösen in Acht nehmen.

Und was kann man dagegen machen? So einfach ausreißen geht nicht. Es ginge dabei zu viel an Gutem zu Grunde. Was bleibt anderes übrig als beides wachsen zu lassen! Bis zur Ernte. Und der Tag der Ernte kommt…: Am Ende des Lebens, am Ende der Welt. Eines steht von vornherein fest: Bei Gott geht an Gutem nichts verloren. Die Frucht wird bei der Ernte eingebracht in die Scheune. Das Schlechte dagegen bringt keine Frucht und wird verbrannt.

Ist es nicht so! Das Böse in der Welt gibt es. Es kann viel kaputt machen. Aber am Ende hat es keinen Bestand, es bringt nichts Gutes hervor, nichts Positives zustande. Es bringt keine Frucht; schon eher Schutt und Asche.

Und was nehmen wir mit für uns? Es gibt immer Unkraut auf dem Acker und auch im Leben eines jeden Menschen. Meistens kann man es leicht voneinander trennen. Wahrheit von Lüge. Gerechtigkeit von Willkür. Also raus damit.

Aber manchmal ist es nicht ganz so einfach. Zwei Beispiele: Wir alle wissen, es gibt gute Menschen, die das Gute sehen und es wollen. Das ist bester Weizen. Taumelloch mischt sich darunter, wenn ein Mensch das Gute zwar sieht und es auch will aber sich nicht mutig genug für das Gute einsetzt. Er knickt immer wieder ein und schließt um des lieben Frieden Willens faule Kompromisse. Da wird die Gutmütigkeit schnell zum Fehler, zur Schwäche.

Umgekehrt gibt es Menschen, die überzeugungsstark sind, gute Argumente ins Feld führen und die auch vehement vertreten. Gut so! Aber leider kann es hier passieren, dass solche Leute anderen nicht richtig zuhören und nicht bereit, sich mit anderen Positionen sachlich auseinanderzusetzen, sondern mit aller Gewalt Ihre Meinung durchsetzen. Auch das ist ein Fehler, eine Schwäche.

Es ist wohl bei den meisten Menschen, und wohl auch bei uns, eine Mischung von Gutem und weniger Gutem zu finden. Oft hängt das mit unserem Charakter zusammen. Einfach rausreißen, geht nicht. Wer könnte schon so einfach raus aus seiner Haut. Umso wichtiger ist es auf den guten Weizen zu schauen und achtsam zu sein, für jede Form von Unkraut, das sich in unserem Leben breit machen will.

 

Guter Gott, alles Gute kommt von Dir. Weil es nicht nur Gutes gibt, bitten wir:

für alle, die unter ungerechten Strukturen leiden.

für alle, die mit Gewalt groß geworden und selbst gewalttätig geworden sind.

für alle, die sich dem Guten in der Welt verschrieben haben.

für uns, dass wir uns mit Problemen auseinandersetzen und sie gut zu lösen versuchen.

Guter Gott, der Glaube an das Gute tut dem Leben gut. Dafür danken wir Dir. Amen

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