Einen Zugang verschaffen
Einen Zugang verschaffen
Schließen Sie ruhig mal die Augen… Wie stellen Sie sich Jesus vor? Lassen sie ihn einmal vor Ihrem inneren Auge lebendig werden. Gar nicht so einfach? Eines ist schon bemerkenswert. Wir haben null Info, wie Jesus ausgesehen hat. Sein Äußeres wird mit keinem Wort beschrieben. Was in jedem Roman sicher vorkommt, die genaue Beschreibung der Hauptperson, fehlt in den Evangelien völlig. Weil die auch keine Romane sind.
Man könnte sagen: Steht nicht schon im 4. Gebot: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen?“ Aber: Ist nicht Gott Mensch geworden, damit wir uns ein Bild von ihm machen können? Und sagt Jesus nicht selbst von sich: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“
Wenn wir auch keine Bilder über ihn haben, so haben wir doch Bilder von ihm. Bilder, die er selbst entworfen hat. Sie zeigen nichts von seinem Äußeren, dafür umso mehr von seinem Inneren. Es sind wahre „Seelenbilder“. Und die verraten weit mehr über Jesus als jedes Foto. Diese sieben Johanneischen Bilder erlauben einen Blick in sein innerstes Wesen. Wie er ist und was er für uns sein möchte.
Theophylakt hat schon Recht, wenn er sagt: „Mehr als 1000 Worte sagt ein Bild.“ Darum enthalten die Jesus-Bilder im Johannesevangelium eine tiefe Botschaft. Schauen wir sie uns gemeinsam an:
„Ich bin das Brot des Lebens.“ Jesus sieht sich als ein Lebens-Mittel. Nicht für unseren Bauch, sondern für unsere Seele. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
„Ich bin das Licht der Welt.“ Jesus will uns einleuchten, für klare Sichtverhältnisse sorgen. Worauf achte ich in meinem Leben? Was leuchtet mir ein?
„Ich bin der Weg.“ Orientierung ist wichtig im Leben, damit wir uns auf nicht verlaufen. Wo geht´s lang? Wo will ich am Ende hin mit meinem Leben? Jesus kennt nicht nur den Weg. Er sagt: „Ich bin es. Folge mir nach!“
„Ich bin der Weinstock. Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht.“ Wie lebenswichtig ist doch innere Verbundenheit ist und die Treue, die wir in Liebe leben.
Wenn wir diese Bilder auf uns wirken lassen, werden sie in uns wirken.
Schauen wir uns darum noch das Bild des heutigen Evangeliums etwas näher an: „Ich bin die Tür.“ Was will uns Jesus damit sagen?
Die Tür ist ein Zugang. Wer schon einmal nach der richtigen Tür gesucht hat, zum Beispiel in einem großen Hotel, weil er die Zimmernummer vergessen hat, weiß was passieren kann: Man steht vor verschlossener Tür oder in einem falschen Zimmer.
Den richtigen Zugang zu finden, ist wichtig im Leben. Den Zugang zu einer Aufgabe, einem Problem, das sich uns stellt. Einen inneren Zugang finden zu anderen Menschen… Den Zugang zum Glauben.
Wie schwer tun sich heute Menschen, einen Zugang zum Glauben zu finden. Was haben sie nicht schon alles ausprobiert. Es gibt so viele Türen. Welche ist die richtige? So viele Angebote, so viele Stimmen, die uns ansprechen wollen.
Warum machen wir uns Menschen den Zugang zum Glauben unnötig schwer? Im Glauben geht´s doch um Gott. Und was das Allerwichtigste ist: Gott glaubt an uns! Und weil er will, dass wir einen Zugang zu ihm finden, kommt er uns entgegen. „Mensch, du brauchst nicht alle Türen aufzumachen! Darum bin ich doch Mensch geworden, um dir den Zugang zu mir zu erleichtern.“
Jesus! Er ist nicht nur der Türöffner, er ist die Tür! „Ich bin die Tür!“ Durch mich findest du einen Zugang zu Gott. Jesus kennt nicht nur die Tür, er ist sie.
Aber die Tür zeigt auch noch etwas anderes. Es geht nicht um irgendeine Türe. Es ist die Tür zum Schafstall. Und das macht ein zweites deutlich: Es geht um die eine Tür, den einen Hirten und seine Stimme, auf die wir hören. Nur wer durch diese Tür geht, findet den Zugang. Es gibt nur einen Hirten. Nur der ist der richtige Hirte.
Die frühen Christen haben sehr wohl verstanden. Schließlich traten ja schon immer auch „falsche Messiasse“. Falsche Hirten, die es auch die Herde abgesehen hatten. Christen mussten schon immer darauf achten, welcher Stimme sie folgen…
Und auch das ist Jesus wichtig: Die Tür geht nicht nur nach innen auf, in den geschützten Raum der Gemeinde. Sie ist offen auch nach außen hin. Es geht Jesus also nicht nur um die, die schon drinnen sind, sondern auch um all die anderen, die den Zugang zu Gott noch nicht gefunden haben.
Das verstehe ich als Auftrag für uns, die wir „drin“ sind: Dass wir uns als missionarische Christen auch auf die Suche machen nach denen die draußen sind. Dass wir auf Menschen zu gehen, die Suche sind, weil sie noch keinen Zugang zum Glauben gefunden haben.
Der heutige Sonntag ist der „Gute-Hirte-Sonntag“. Er ist in besonderer Weise dem Gebet um geistliche Berufe gewidmet. Gerade das heutige Evangelium zeigt deutlich, wie sehr Hirt und Herde zusammengehören. Es gibt nur einen Hirten und eine Herde. Je mehr wir auf seine Stimme hören, desto besser werden wir ihn verstehen. Umso mehr werden uns die vielen anderen Stimmen fremd, die oft nur leere Parolen versprechen. So wächst Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen schenkt ein weiteres Seelenbild, das Jesus uns hinterlassen hat: „Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die meinen, und die Meinen kennen mich.“
Fürbitten
Herr Jesus Christus,
Du hast versprochen: Ich bin die Tür. Ein verheißungsvolles Bild, das und Mut auch jetzt durch Dich den Vater zu bitten:
Guter Gott:
Wir bitten für Menschen, die orientierungslos geworden sind und nach dem Sinn ihres Lebens fragen. Lass sie der Begegnung mit Christen unter den vielen Angeboten einen sicheren Zugang zum Glauben finden.
Wir bitten für uns, die wir als Gemeinde zusammengefunden haben. Lass uns zusammenhalten und aus diesem inneren Zusammenhalt mit christlicher Überzeugungskraft hineinwirken in die Welt.
Wir brauchen mehr Priester und Ordensleute: lass in unseren Gemeinden ein Umfeld sein, in dem Berufungen wachsen können und schenke denen, die Du berufen willst, den Mut, sich auf deine Nachfolge einzulassen.
Guter Gott, in Jesus Christus lässt Du uns in Deine Seele schauen. Für diesen Einblick danken wir Dir. Amen.
