Glücksbringer
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Glücksbringer
… bekommt man oft zu Neujahr. Einen Glückspfennig, ein Glücksschweinchen, Glücksklee… Nett gemeint, aber wer glaubt schon wirklich dran? Und doch: daran glauben wir wohl alle: Die Sehnsucht nach dem Glück wohnt in jedem Menschen. Warum? Weil jeder Mensch ein Herz hat und eine Seele. Und wer von uns wäre nicht schon mal glückselig gewesen! Aber, was macht mich eigentlich glücklich, wann bin ich selig?
Wir haben gerade die Seligpreisungen Jesu gehört. „Selig seid ihr!“ Das kann man ebenso gut übersetzen mit: „Glücklich seid ihr zu preisen!“ Und wir hören, was kommt, staunen und reiben uns dann doch die Augen. Denn seliggepriesen werden der Reihe nach, die arm sind, die traurig sind, die machtlos sind, die Hunger haben und Durst… Sind das wirklich die Glücksbringer im Leben? Auf den ersten Blick sicher nicht. Aber bei näherer Betrachtung vielleicht dann doch… Schauen wir also darum mal einige seiner „Glückswünsche“ genauer an:
„Selig, die arm sind vor Gott.“ Eigentlich wollen Menschen doch lieber reich werden. Vielen geht´s doch vor allem ums Geld. Aber macht das am Ende wirklich glücklich? Liz Mohn, alles andere als unvermögend, hat einmal zugegeben: „Sie sind ja nicht glücklich, weil sie reich sind. Reichtum ist, einen Lebensinhalt zu haben.“ Und was hat man am Ende auch gewonnen, wenn man auch das letzte Hemd, das bekanntlich keine Taschen hat, zurücklassen muss?
„Selig sind die Trauernden…“ Und das aus einem zweifachen Grund. Menschen, die trauern, sind Menschen, die geliebt haben und nicht aufhören zu lieben, über den Tod hinaus. „Die Liebe hört niemals auf.“ Diese Worte aus dem Hohelied der Liebe werden von den meisten Paaren ausgewählt, wenn sie sich am Traualtar die Liebe in Treue versprechen. Und auch im Trösten von Trauernden wird viel Liebe spürbar.
Und wie siehts mit diesem Glückswunsch aus? „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit…“. „Ich hab´ Hunger, ich hab Durst.“ Das sind doch Grundbedürfnisse des Menschen. Aber wenn wir ehrlich sind: hungert unsere Seele nicht nach mehr als ein voller Kühlschrank zu bieten hat? Wieviel Entbehrungen nehmen Menschen gerade im Iran in Kauf, um der Gerechtigkeit willen. „Mich dürstet!“, war nicht von ungefähr eines der letzten Worte Jesu am Kreuz.
Noch klarer werden die Seligpreisungen, wenn wir sie einmal umdrehen:
Selig sind eben nicht die Machthaber, die Gewalt ausüben. Die andere klein halten, um selbst groß rauszukommen. Sie werden am Ende bestimmt nicht glücklich und noch weniger selig. Es endet doch zuallermeist im Unglück. Hitler, Ceausescu oder vor kurzem Maduro. Ihnen stehen Menschen gegenüber wie Franz von Assisi, Mahatma Ghandi oder Johannes-Paul II. Menschen, die das Glück des inneren Friedens ausstrahlen. Und so Frieden stiften.
Selig sind auch nicht die, die mit allen Wassern gewaschen sind. Die sind nicht ganz sauber. Selig preist Jesus hingegen jene, „die ein reines Herz haben.“ Wir wissen doch alle, wie sich ein reines Herz anfühlt. Die Bibel spricht von einem Herz aus Fleisch, nicht von einem Herz aus Stein. Nach jeder Erstbeichte spüre ich die Freude, die ein reines Herz schenkt.
Und glücklich sind nicht die Unzufriedenen, die nie genug bekommen können und mit anderen im Streit sind. Selig sind vielmehr, „die Frieden stiften…“ Und der Friede beginnt immer in und mit mir. Wie hat es der große Mystiker Thomas von Kempen einmal so schön gesagt: „Bewahre du zuerst Frieden in dir selbst, dann kannst du auch andern Frieden bringen.“
Selig sind auch nicht die Verfolger. Ich kenne keine glücklichen Verfolger, die sich wohl in ihrer Haut fühlen, wenn sie Unschuldige verfolgen. Jesus sagt darum: „Selig seid ihr, wenn ihr um der Gerechtigkeit willen verfolgt werdet…“ Sich dem Unrecht beugen, klein beigeben mag menschlich sein, aber es macht nicht glücklich. Wir würden heute keinen Gottesdienst in Biberbach feiern, wenn nicht im Laufe einer 2000-jährigen Kirchengeschichte Menschen Jesus gefolgt wären, trotz aller Verfolgung.
Aber das Wichtigste kommt wie -so oft- am Schluss. Bei allem, was uns in diesem Leben Glück verspricht, uns glücklich, vielleicht auch für einige Augenblicke selig macht, vergessen wir nie: Alles irdische Glück –übrigens auch das Unglück- ist vergänglich.
Letztlich sind die Seligpreisungen eine Einladung Jesu, sich auf das zu konzentrieren, was am Ende für immer ist. „Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Darum lohnt es sich schon jetzt, das Unvergängliche mehr zu lieben als das Vergängliche.
Der Heilige Thomas von Aquin, wohl der größte Theologe aller Zeiten, hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass das Lebensziel des Menschen kein anderes sein kann, als am Ende für immer glückselig zu sein bei Gott. Wenn es auch uns darum geht, dann sind wir auf alle Fälle selig zu preisen. Amen.
