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Wärst Du doch hier bei mir…

Wärst Du doch hier bei mir…
Gedanken zum 5. Fastensonntag

Es ist eine für uns alle ungewohnte Erfahrung. Eine fast leere Kirche. Wo sind die Minis? Was macht die Kinderkirche? Wo seid ihr? Wie geht´s dir? Viele vermissen wir in diesen Tage. „Wärst du doch hier bei mir!“ Denken wir nur an all die Menschen in den Heimen, die keinen Besuch von außen mehr erhalten dürfen.
Wir bleiben in diesen Tagen fern, weil wir uns nahe stehen. Und wachsen so enger zusammen. Das ist ein starkes Zeichen innerer Verbundenheit. Verbinden wir uns jetzt in Gedanken – im Gebet.
Und wir schauen gemeinsam auf Dich, Jesus. Was hast Du nicht schon alles gesehen… In den bald 500 Jahren hier bei uns in Biberbach. Wie mag es Dir jetzt wohl gehen… Mit uns? Wie oft haben wir Dir schon in die Augen geschaut. Und Du in unser Herz!
„Herr, wärest du hier gewesen“, bricht es aus Martha hervor. Ihr Bruder, Dein Freund Lazarus liegt schon seit vier Tagen im Grab. Aber warst Du nicht schon längst auf dem Weg zu ihr und Maria. Es gibt eine innere Verbundenheit, die nichts trennen kann. Niemand weiß davon mehr als Du. „Ich bin doch da! Immer bei dir!“ Wie mag es Dir gehen mit uns, heute? Wir können es ahnen, wenn wir mit Dir zu Deinem toten Freund Lazarus gehen. Im Innersten erregt, ja erschüttert fängst Du an zu weinen. Jesus, Du warst wirklich ganz Mensch. Es geht Dir um die Menschwerdung.
Ist es in den letzten Tagen und Wochen nicht auch menschlicher geworden in unserer Welt, die doch zutiefst auch Dir gehört? Wir nehmen Anteil, reden wieder mehr miteinander, kümmern uns –nicht nur um uns – nein auch um andere. Menschliche Anteilnahme ist so wichtig und tut so gut. Gefühle sind
erlaubt. Auch Angst und Tränen. Auch bei uns, die wir Deinen Namen tragen. Bei uns Christen, ja gerade auch bei uns. Weil wir doch alle Menschen sind. Es geht uns auf einmal nahe, was wir im Fernsehen sehen. Wir sind alle mehr betroffen. Es betrifft uns ja auch irgendwie alle. Wir fühlen mit, weil es uns allen ähnlich geht.
Wenn Menschen in Italien von den Balkonen aus füreinander singen… Oder ein Priester in Bergamo sich vom Beatmungsgerät nehmen lässt, damit es ein anderer bekommen kann. Der dann überlebt statt ihm. Und wir alle spüren zur Zeit, was wir wirklich brauchen. Was uns Not tut. Vertrauen gehört bestimmt dazu. Wir brauchen in dieser Zeit mehr Vertrauen! Das legst Du uns ans Herz. Mensch, hab Vertrauen!
Es geht da gewiss auch um Selbstvertrauen. Du schaffst das, halte durch! Aber es braucht auch mehr Vertrauen in all die anderen. Dass auch sie durchhalten und weiter da sein und helfen können. Und wir dürfen Vertrauen haben in unsere Politiker, in die Ärzte und Pflegekräfte. Vertrauen in unser Schulsystem und Vertrauen haben, dass die Grundversorgung weiterhin klappt. Gott sei Dank gibt es so viele, die ihr Möglichstes tun…! Danke! Und wir brauchen vor allem auch Gottvertrauen. Dazu willst Du uns verhelfen. Du hast Recht: Jetzt ist unser Glaube gefragt. Glaube ist in Zeiten wie diesen durchaus „systemrelevant.“ Erinnere uns daran bitte immer wieder.
Das und nichts anderes wolltest Du auch von Martha wissen: Vertraust Du Deinem Glauben? Vertraust Du mir?
Gottvertrauen schüttelt niemand so einfach aus dem Ärmel. Darum hast Du selbst immer wieder auch intensiv gebetet. Um Dich mit Deinem Vater zu verbinden; Ihm nahe zu sein. Du wirst am Ölberg beten und dabei Blut schwitzen. Und da hast eben auch gebetet am Grab des Lazarus. Du betest, Jesus – uns vor. Und Du wirst mit uns beten und wir mit Dir – unser „Vaterunser“.

 Not lehrt beten…
Sagt man. Darum wollen wir in dieser Zeit auch beten. Warum? Weil wir unsere Hände falten können. Das sollten wir immer tun, wenn wir etwas nicht im Griff haben. Und wie viel haben wir nicht im Griff. Mit gefalteten Händen bekennen wir uns auch dazu: Gefaltete Hände geben bewusst aus der Hand! Und hast Du uns nicht versprochen: „Wer bittet, der empfängt!“ Und wir werden feststellen: mit gefalteten Händen kann man gar nicht mehr zittern. Weil wir erfahren, dass wir in Gottes Hand sind. „Herr in deine Hände!“ Das sind auch Deine Worte. Nein, das Virus hat uns nicht im Griff!
Und auch diese Pandemie wird wieder vergehen. Aber noch ist die Lage ernst und wir müssen sie darum auch ernst nehmen. Da hat Bundeskanzlerin Merkel völlig Recht. Aber auch da helfen betende Hände weiter! Weil wir sie nicht einfach in den Schoß legen. Sondern Hoffnung und Zuversicht zuwächst, beherzt zu handeln. Und das tun, worauf es jetzt ankommt.
Jesus, Du bist nach Deinem Gebet auch nicht tatenlos geblieben. Ganz im Gegenteil. Nach Deinem Gebet erweist Du Dich als Gott – in der Tat. Der Stein wird weggenommen. Und Du rufst in den Totraum kraftvoll hinein: „Lazarus, komm heraus!“
Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt. Die Hoffnung stirbt nie! Denn wir trauen dem Leben, wir vertrauen auf Dich und danken Dir dafür, dass Du uns Grund dazu gegeben hast. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ „Glaubst Du das?“ Martha ist Dir ihre Antwort nicht schuldig geblieben: „Ja Herr ich glaube, dass Du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Am 5. Fastensonntag wird es für uns schon etwas österlich. Es ist wahr, wir erleben gerade eine Fastenzeit. Aber eine Fastenzeit nach Ostern. Dir sei Dank!
Wenn wir heute auf Dich, Jesus, schauen…, wie Du uns anschaut, dann sehen wir, wie sehr Dir das Leid der Menschen nahe geht. Du bist verwundet, aber gerade darum bist Du am Ende auch so heilsam. Angst und Not, Leid und Tod haben Dich nicht in den Griff bekommen. Du hast das Leid überwunden. Deine Augen sind weit offen. Du schaust nicht zu. Du siehst uns an. Du weißt um uns. Das ist tröstlich und das schenkt Zuversicht. Und genau die brauchen wir doch alle, gerade jetzt.

 Und was ist dann notwendig?
Was wendet die Not? Für uns in Corona-Zeiten eine Frage, die uns zur Besinnung bringt. Besinnung tut Not. Was hat unser Leben vor Corona bestimmt? Womit haben wir uns beschäftigt? Was war nicht alles wichtig? In Corona-Zeiten denken viele anders. Und manche denken um. Was ist wirklich notwendig? Für mich – für Dich, für uns Mitmenschen? Im Blick auf Dich sehen wir vieles klarer.
Der Glaube gehört bestimmt dazu. Auch deshalb, weil unser Glaube in die Tat umgesetzt werden will. Not macht erfinderisch – die Nächstenliebe auch. Wir leben in Zeiten, in denen viele gute Ideen haben.
Hilf uns dran zu bleiben und lass und großzügig weiter denken. Denn es gibt so viele, denen das Notwendigste fehlt. Nicht nur jetzt, sondern schon immer. Menschen auf den Philippinen können keine Hamsterkäufe machen, weil sie nicht mal wissen, wovon sie am nächsten Tag leben sollen. Und Kinder in Teilen Afrikas können sich nicht eine halbe Minute unter fließendem Wasser die Hände waschen. Weil es kein fließendes Wasser gibt und Wasser kaum zum Trinken reicht.
Die Welt ist zusammengewachsen. Weil das Virus keine Nationalität hat. Und damit uns allen gehört. Darum werden wir wohl spätestens jetzt merken, dass es keine dritte Welt gibt, weil wir nicht mal eine zweite haben. Und diese eine Welt ist Deine Welt, die Du mit uns allen teilst. Wir alle gehören zusammen, weil wir Menschen sind. Das lernen wir gerade. Hilf uns, dass wir es nie mehr vergessen. Denken wir zusammen und handeln wir miteinander in diesen für die ganze Menschheit bewegten Zeiten. Amen.

 

Die Misereorsammlung in der Kirche entfällt. Aber damit hoffentlich nicht unsere Spende. Die ist überlebensnotwendig in so vielen Projekten, die das Hilfswerk „misereor“ weltweit unterstützt. Das Spendenkonte finden Sie auf unserer Homepage.

Vergelt´s Gott!

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