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Jesus, richtig verstanden…!

Jesus, richtig verstanden…!
Gedanken zum 5. Sonntag der Osterzeit (Ev. Joh 13,31-35)

Vier Wochen nach Ostern finden wir uns im Abendmahlsaal wieder! Wer hätte das gedacht… Da müssen wir uns erstmal umstellen und uns wieder einfinden.

Wir erinnern uns: Gerade eben hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen und dann Judas als seinen Verräter identifiziert. Jesus selbst fordert ihn sogar auf: „Was du tun willst, das tu bald!“ Den Bissen Brot hat Judas noch aus der Hand Jesu genommen, dann geht er sofort hinaus; „es war aber Nacht“ (Joh 13, 30). Es wird bald bedrohlich. Wir wissen ja alle, was kommen wird, weil es kommen muss: Das Leiden und Sterben Jesu. Auch Jesus selbst wusste darum. Und doch beginnen seine Worte im heutigen Evangelium so anderes. Nicht von seinem kommenden Leiden spricht er, sondern von seiner Verherrlichung: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht“ (Joh 13, 31).

Kaum zu verstehen, wenn wir Jesus nur menschlich verstehen. Der Evangelist Johannes versucht uns darum immer wieder zu erklären, was bereits am Anfang seines Evangeliums feierlich verkündigt wird: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater“ (Joh 1, 14).

In der Johannespassion begegnet uns Jesus keineswegs als Opfer. Der Menschensohn ist vielmehr eingeweiht in das Warum und Wozu von allem. Pilatus gegenüber wird er sich selbstbewusst als König bezeichnen, dessen Königtum freilich nicht von dieser Welt ist. Und am Kreuz wird er nicht hängen. Er steht zum Kreuz. Auf Golgotha begegnet uns der erhöhte Herr! „Es ist vollbracht“ (Joh 19, 30). Und auch das Schild oben an seinem Kreuz verkündet aller Welt: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ (Joh 19, 19).

Mit dem Evangelisten Johannes dürfen wir erahnen, wie sehr Jesus mit seinem Vater eins ist. Ja, es ist seine Speise, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34). Und was der Wille des Vaters ist, legt er seinen Jüngern, und damit auch uns, in seinem Gebot der Liebe ans Herz. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 16). Darum will Gott auch, dass wir lieben.

Jesus, der Menschensohn, wird einwilligen. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15, 13). Und er hat es getan. So ist er verherrlicht und Gott in ihm! Die Liebe wird so zum Erkennungszeichen aller, die nicht nur Christen heißen, sondern es in Wahrheit auch sind.

Viele werden ihm später auf diesem Weg folgen. Später, denn jetzt können sie es noch nicht. Auch wenn Petrus gleich im Anschluss seine Bereitschaft beteuert, selbst sein Leben hinzugeben. Er wird Jesus zuvor noch dreimal verleugnen und dann untertauchen. Erst am Ostermorgen wird es ihm und den anderen langsam dämmern, was ihnen Jesus im Abendmahlsaal offenbart hat. Am Ende des Johannesevangeliums krönt Petrus seinen Glauben an Jesus mit einer dreimaligen Liebeserklärung.

Die Liebe war und ist der Weg unserer Erlösung. Im Licht von Ostern leuchtet dieses Geheimnis unseres Glaubens herrlich-schön auf!

 

Fürbitten
Herr Jesus Christus,
du bist wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Das dürfen wir im Glauben bekennen, und darum bitten wir dich:

Hilf allen zu einem tieferen Verständnis, die in dir nur einen vorbildlichen Menschen sehen.

Steh´ allen bei, die sich an dir festhalten, weil sie selbst gerade an Leib und Seele leiden.

Erfülle unsere Kommunionkinder mit dankbarer Freude, die dich an diesen Sonntagen leibhaftig empfangen dürfen.

Zeige uns, wie wir deinem Beispiel glaubwürdig folgen können und so Hoffnungsträger werden für die Welt.

Herr Jesus Christus,
du bist den Weg gegangen durch Leiden und Sterben zur Herrlichkeit der Auferstehung. Und du willst, dass auch wir einmal zur Vollendung gelangen. Dafür danken wir dir.
Amen.

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