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Kirchweih

Kirchweih

„Damit die Erde am Himmel hafte, schlugen die Menschen Kirchtürme in ihn.“ Eine schöne Beobachtung, die der Dichter Reiner Kunze da macht. Gerade recht zum heutigen Kirchweihsonntag. Unsere Kirchtürme sind wirklich so etwas wie Leuchttürme, weithin sichtbare Fingerzeige zum Himmel. Und damit wichtige Wegweiser für unser Leben. „Mensch, vergiss den Himmel nicht!“

Wir feiern Kirchweih. Und wir spüren wohl alle: da geht´s um mehr als um erhabene Gebäude und Tradition, Kunst und Kultur. Kirchweih stellt uns vor die Lebensfrage des Glaubens. Wie lebendig ist das Leben in der Kirche? Der Glaube im Volk? Hat Kirche Zukunft?

Diese Frage hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gestellt. In Zeiten der Christenverfolgung, durch Reformation und Säkularisation, im dreißigjährigen Krieg oder während des preußischen Kulturkampfs gegen die Katholiken. Immer wieder hatte die Kirche eine neue Zukunft. Und die war besser als die Vergangenheit.

Wir feiern Kirchweih in Bayern. Und haben allen Grund, dankbar zu sein für unsere prächtigen Gotteshäuser. Aber wie gesagt: es geht an Kirchweih um mehr. Es geht darum, dass unser Glaube lebendig ist und lebendig bleibt. Eines dürfte von vornherein klar sein: Häuser, die leer stehen, verfallen. Da machen Kirchen keine Ausnahme.

Wer sich daheim wohl fühlt, der ist gern daheim. Und wenn man sich daheim nicht mehr so wohl fühlt, dann wird was geändert. Man zieht nicht aus, sondern man renoviert. So wie einer, der gut zu Kirchweih passt: Franz von Assisi. Heuer erinnern wir seinen 800. Todestag.

„Bau meine Kirche wieder auf!“ Diese Worte hat Franziskus vom Kreuz in dem zerfallenen Kirchlein von San Damiano vernommen. Jesus selbst hat es ihm gesagt und der reiche Kaufmannsohn war überwältigt. Nach einem kurzen Innehalten hat Franziskus alles getan, um das Gotteshaus wieder herzurichten. Aber ihm wurde bald klar, dass es Jesus um mehr ging als die Renovierung einer Kirche. Es geht ihn immer um uns. Und um den Tempel, der wir selbst sind. Der nicht aus Steinen errichtet ist, sondern lebt mit Fleisch und Blut. Damit der Geist Gottes in uns leben kann.

Franziskus hat sich später im Leben so sehr vom Evangelium Christi leiten lassen, dass die Menschen in ihm einen „alter Christus“ erkannten, einen zweiten Christus. Nicht mit Geld hat Franziskus die Kirche renoviert, sondern mit Christus, der ihm Ratgeber war. Architekt des Glaubens. „Die Heilige Schrift lesen, heißt von Christus Rat holen.“ Wer etwas erneuert, wer renoviert, der braucht Kraft. Woher er die Kraft genommen hat, bei all den Widerständen, die sich auch ihm entgegengestellt haben? Franziskus verrät es uns. Er sagt: „Die Tiefe der Menschenseele birgt unergründliche Kräfte, weil Gott selbst in ihr wohnt.“ Gott wohnt mitten unter uns. In Dir und in mir. Das setzt Kräfte frei – wenn wir wollen!

Der kleine Zöllner im heutigen Kirchweih-Evangelium musste sich auch kraftvoll beweisen. So gesehen passt er wunderbar zu Kirchweih, wie die Kirchweihfahne am Turm, die vielerorts seinen Namen trägt: „Zachäus“.

Mit dem kleinen reichen Zöllner erleben wir, worum es eigentlich geht. Nicht um Hab und Gut. Sondern zunächst einmal allein um Jesus. Genau darum klettert er auf einen Baum – Er will Jesus sehen – und Jesus ihn. Das nenn´ ich sportlich. Und am Ende wird es ja auch noch ganz schön fromm.

Was für ein Augenblick! Jesus sieht Zachäus und Zachäus sieht Jesus. Wieder einmal begegnet Jesus in einem Augen-Blick. Für beide gibt es jetzt kein Halten mehr. Jesus lädt sich ein und Zachäus nimmt ihn gleich mit. Zu sich nach Haus. Aus einem Augenblick wird Begegnung – der Anfang eines neuen Lebens.

Auch wir brauchen immer wieder diese Augenblicke mit Jesus. Die Begegnung mit ihm. Wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern. Uns als Gemeinde Jesu Christi erleben. Wir brauchen diese Augenblicke aber auch zuhause, daheim. So hat das Christentum übrigens auch angefangen. Die frühe Kirche hatte gewiss keine großen Kirchen, dafür aber viele kleine Häuser – Hauskirchen, in denen Jesus willkommen war.

Feiern wir am heutigen Sonntag in unserer frisch renovierten Kirche dankbar Kirchweih; und dann, ja dann nehmen wir Jesus mit zu uns nach Haus. Und dann, ja dann gibt´s nicht nur eine Kirche im Dorf, sondern viele Hauskirchen drum herum. Orte, an denen Jesus unter der Woche, mitten im Alltag mit uns lebt. Nehmen wir Jesus mit heim! So hat es Zachäus damals mit Jesus doch auch gemacht. Amen.

 

Fürbitten

Guter Gott, die Kirche gibt unserem Glauben ein Zuhause. Heute an Kirchweih denken wir daran und danken dafür, dass du in unserer Mitte wohnst. Und wir bitten Dich:

  • Für alle, die heute Sorge tragen für die Weitergabe des Glaubens: die Eltern und Großeltern, die Erzieherinnen und Lehrer und alle Seelsorger: Zeige ihnen wie sie durch ihr eigenes Leben andere zum Glauben führen können.
  • Für alle, die zum Erhalt unserer Kirchen beitragen, die Mitglieder der Kirchenverwaltung und alle Gönner. Vergilt ihnen ihren Einsatz und schenke uns allen Einsatzfreude in und für deine Gemeinde.
  • Für alle, die unsere Kirchen besuchen, die hier Stille suchen, Trost und Geborgenheit. Für die treuen Beter und alle, die sich immer wieder zum Gotteslob versammeln: schenke uns Lebenskraft und Lebensfreude aus dem Glauben.
  • Für all unsere Verstorbenen, die vor uns geglaubt haben, die uns den Glauben vorgelebt und so nahegebracht haben. Führe Sie nun vom Glauben zum Schauen in der Kirche des Himmels.

Guter Gott, unser Leben hängt nicht in der Luft. Es ist geborgen und aufgeboben in dir. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

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