Leben oder Tod? Tot oder lebendig?
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Leben oder Tod? Tot oder lebendig?
Das ist heute die Frage. Aber die Frage stellt sich im Leben ja nicht, normalerweise… Schließlich leben wir doch und das ganz selbstverständlich. Wie sieht es aber nun mit Leben und Tod aus? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es vielleicht sogar ein Leben im Sterben? Oder sterben wir Christen vielleicht am Ende gar nicht?
Aber halt! Bleiben wir erst mal bei dem, was wir doch alle wissen. Und dann denken wir weiter, was wir als Christen glauben dürfen… Die Lesungen des heutigen Sonntags geben uns dazu allen Grund!
Wir wissen, dass jeder Mensch stirbt. Alle Menschen müssen sterben. Das ist totsicher. Und dieses Wissen ist heilsam, denn wir können nicht so tun, als ginge das Leben immer so weiter. Lügen wir uns nicht in die Tasche. Das letzte Hemd hat gar keine! Verdrängen wir den Tod nicht. Lernen wir, besser mit ihm umzugehen. Im Angesicht des Todes lernen wir erst wirklich leben…!
Halten wir an dieser Stelle also eines fest: Wir wissen, dass jeder Mensch stirbt. Weil es den Tod gibt. Aber glauben wir auch daran? Glauben und Wissen ist ja nicht dasselbe. Und Glaube ist mehr als Wissen. Wer glaubt, denkt weiter, hofft tiefer und sieht vieles in einem anderen Licht.
Ja, wir glauben nicht an den Tod. Ebenso wenig glauben wir an die Finsternis. Wir wissen, dass es die Finsternis gibt, aber wir glauben an das Licht. Wir wissen, dass es den Tod gibt, aber wir glauben doch an das Leben. Gibt es das aber auch? Ein Leben im Tod und über den Tod hinaus?
Rein menschlich gesehen nicht. Denn eines sehen wir ja alle, dass da einer tot ist und eben nicht mehr lebt. Und wenn das nach einem langen Leben geschieht, sprechen wir ja auch gern von Erlösung. Und viele Gesichtszüge haben sich dann auch wirklich gelöst. Da ist ein Mensch in Frieden eingeschlafen.
Nun erfahren wir aber in der heutigen Lesung und dann auch im Evangelium aus dem Munde Jesu, im Tod sei Leben. Wie ist das möglich? Hören wir zunächst noch einmal hinein in den Brief des Apostel Paulus an die Römer:
„Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“
Worauf es Paulus ankommt: Er will uns die Augen öffnen für eine Seite des Lebens, die wir gerne übersehen, weil sie leider nicht sichtbar ist. Die unsichtbare Welt. Alles Sichtbare vergeht. Das Unsichtbare aber ist unvergänglich. Das gilt für die geistige Welt. Wir sehen sie nicht, aber wir können von ihr berührt werden und sie berühren: in unseren Gedanken, mit unserer Hoffnung und in all unserer Sehnsucht. Mit unseren Träumen und vor allem auch in unserem Glauben… berühren wir Gott. Gott ist Geist. Er ist unsichtbar. Weil er unvergänglich ist. Eben ewig.
Das ist der springende Punkt für das das ewige Leben. Wenn wir rein menschlich leben und rein irdisch denken und handeln, werden wir auch den Weg alles Irdischen gehen. „Staub bist du und zum Staub kehrst du auch wieder zurück.“
Wenn aber der Geist Gottes ist uns ist, wenn wir vom Glauben an den lebendigen Gott beseelt sind und mit ihm zusammen in dieser Welt leben, dann haben wir schon hier und jetzt Anteil am ewigen Leben. Und dieses Leben Gottes, der in uns wohnt, wird lebendig bleiben auch im Augenblick unseres leibhaftigen Todes.
Der Geist ist es doch, der lebendig macht. Wir werden nicht sterben, sondern hinüberleben in die Ewigkeit. Und in diesem Geist wurden wir getauft, hineingetaucht in ein ewiges Leben mit Gott. Das kommt nicht erst noch, wir haben es bereits empfangen. Gott ist in uns.
Was Paulus schreibt, wird in einer Friedhofsbegegnung noch viel deutlicher. Jesus weint über seinen toten Freund Lazarus. Ja, Trauer ist erlaubt: sie ist ein kostbares Zeichen menschlicher Verbundenheit und Liebe. Aber dann wischt er die Tränen der Trauer ab und öffnet die Augen für die Hoffnung.
Er wendet sich Marta zu und sagt zu ihr und auch zu uns: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“
Wieder sind wir beim Glauben angelangt. Und ja, Jesus ist von den Toten auferstanden. Er ist nicht mehr zurückgekehrt in ein irdisches Leben. Nach Ostern erscheint er den Seinen wieder und immer wieder als verklärter Herr. Gewissermaßen als ein Wegweiser in die unsichtbare Welt Gottes.
Auch hier geht es um einen lebendigen Glauben an einen Gott, der ein Gott der Lebenden ist und nicht der Toten. Und wurden wir in der Taufe nicht auf seinen Namen getauft? Lebt Jesus nicht in uns? Paulus hat so recht, wenn er sagt: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir.“
Wenn das so ist, und daran dürfen wir glauben, werden wir eben nicht mehr sterben können. „Jesus lebt, mit ihm auch ich.“ Dieses österliche Bekenntnis stimmen wir am Ende eines jeden Requiems darum auch voller Überzeugung an.
Halten wir also fest: Rein menschlich gesehen wissen wir: Alle Menschen müssen sterben. Menschlich gedacht ist das totsicher. Für uns Christen freilich macht das keinen Sinn! Wenn wir an Gott glauben und wenn wir mit Jesus Christus leben, werden wir am Ende auch mit ihm über-leben. Wir werden nicht die Alten sein. Am Ende werden wir eingehen in ein Leben bei Gott, das er denen bereitet, die ihn lieben. Amen.
