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Leonhard

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„Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist.“
Festpredigt zum Leonhardifest in Fremdingen

 „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist.“ Wir kennen diesen Ausspruch, an dem viel Wahres dran ist. Ihr Umgang prägt Menschen! Ja, wir haben schon einen ganz besonderen Umgang heute, einen Umritt sogar. Sagen wir gleich noch dazu, mit wem: dem Leonhard natürlich!

Es gibt nichts Lebendigeres als tote Heilige!
Dieser Leonhard hätte sich das bestimmt nicht träumen lassen, dass wir bald 1500 Jahre nach seinem Tod jedes Jahr wegen ihm in Fremdingen zusammenkommen! Aber es gibt wohl nichts Lebendigeres als „tote“ Heilige. Weil sie ja eigentlich die wahren Überlebenden sind – bei Gott.
Obwohl er gar kein Bayer war, sind allein bei uns 50 Wallfahrten noch heute lebendig. Und in fast jeder Dorfkirche treffen wir auf ihn. Und so mancher unter uns ist auf seinen Namen getauft: Leonhard – Hartl.
Warum haben wir heute noch einen so lebendigen Umgang mit ihm? Mit Brauchtumspflege allein hat das wenig zu tun. Das wäre am Ende auch zu wenig. Dass wir noch heute mit Leonhard umgehen, liegt vielmehr daran, worum es Leonhard zeitlebens gegangen ist. Und die Antwort darauf ist ganz einfach: Es ist ihm um Gott gegangen. Und wem es wirklich um Gott geht, dem geht´s immer auch um die Menschen!
Und wie geht das? Papst Benedikt hat einmal gesagt: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Genau an dieser Stelle wird der Umgang mit den Heiligen auch so unvergesslich spannend. Denn jeder Heilige hat seinen eigenen Weg gesucht – und ist ihn dann auch gegangen.
Wohin Leonhard der Weg geführt hat? Nicht nach ganz oben, wo seine adligen Eltern ihn sicher gern gesehen hätten. Nein wir finden Leonhard in der Einsamkeit seiner Klause in der Nähe von Limoges. Bischof wurde er nie, dafür blieb er zeitlebens Diakon, ein echter Diener… gut so!

Leonhard ein Wahrheitsfinder
Was ihn dorthin gebracht hat: Leonhard war ein Wahrheitssucher. Und die Wahrheit finden wir allein mit Gott. Gottlos gehen wir immer in die Irre! Und Leonhard hat sich bei der Suche helfen lassen. Von dem, der seine Hilfe auch uns anbietet: Jesus Christus. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“  Die Heiligen hatten ja eines gemeinsam: sie waren alle Freunde Jesu!
Und: die Wahrheit macht frei! Zunächst einmal mich selbst. Dann aber auch andere. Darum ging es Leonhard dann vor allem. Die gesprengten Ketten erinnern uns daran. Viele Hilfesuchende kamen zu ihm. In der Einsiedelei hatte er Zeit für viele. Für so viele unrechtmäßig Inhaftierte konnte er beim König die Freilassung erwirken. So mancher brachte Leonhard die Fesseln in seine Klause – zum Dank. Wahrheit macht frei!
Wir spüren, wie aktuell unser Leonhard ist: Denn wir sind doch auch in einer Zeit, in der die Wahrheit in der Krise steckt. Wer sagt uns eigentlich noch die Wahrheit in Zeiten von „Fake news“? Menschen berichten offenbar bewusst die Unwahrheit. Warum? Weil es ihnen offenbar nicht um die Wahrheit geht, sondern um den eigenen Vorteil, um die Macht. Wer da zum Opfer wird: natürlich der Mensch!
Die Christin Asia Bibi hat acht Jahre in einer pakistanischen Todeszelle ausgeharrt. Wie es einem da ergeht, können wir uns nicht vorstellen. Endlich wird sie freigesprochen. Aus Mangel an Beweisen. Und die Massen werden vom Hass aufgeputscht. Die Regierung hat sich dem Druck gebeugt, verweigert der Christin die Ausreise und gibt einem Berufungsantrag der Islamisten statt. Der Anwalt hat gestern das Land verlassen. Er fürchtet um sein Leben. Das von Asia Bibi ist wohl auch in Gefahr! Auch das ist unsere Welt von heute. Das kann uns nicht kalt lassen!
Aber auch bei uns ist die Wahrheit in Gefahr. Die sozialen Netzwerke öffnen Rufmord und dem Shitstorm ihre Portale… Menschen kann man auch auf diese Weise öffentlich an den Pranger stellen und hinrichten.
Aber wer hat die Wahrheit? Was ist Wahrheit? Die Frage hat schon einmal einer gestellt: Pilatus. Wem er sie gestellt hat, wissen wir: Jesus. Und der wurde kurz darauf ans Kreuz geschlagen. Die Frage nach der Wahrheit ist und bleibt eine Überlebensfrage der Menschheit.

Die Liebe ist immer wahr!
Gibt es eine Antwort? Wenn es eine Wahrheit gibt, an die wir glauben dürfen, dann ist es die Liebe. Die Liebe ist die Wahrheit. Daran dürfen wir glauben, dafür dürfen wir leben. Und darum gilt auch sein Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Jesus Christus verbindet beide Gebote miteinander. Weil sie untrennbar zusammengehören: die Liebe zu Gott, zu den Menschen, die Liebe zu sich selbst. Liebe darf man niemals trennen. Und vor allem: man muss sie ernst nehmen.
Liebe ist mehr als bloße Sympathie. Ja manchmal beginnt die Liebe erst dort so richtig, wo Sympathie endet. Und dann ist Liebe immer auch bereit zur Tat. Auch dafür steht Leonhard: Als Leonhard der Königin durch sein Gebet zur glücklichen Geburt eines Sohnes verholfen hatte, wurde ihm vom König ein Waldstück geschenkt. Es sollte so groß sein, dass er es mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könnte. Auf diesem Grund und Boden gründete Leonhard eine Gemeinschaft, die den Entlassenen ein Handwerk beibrachte. Das nennt man heute ein „Resozialisierungsprogramm“. Die Wahrheit in Liebe. Darum ist es Leonhard gegangen.
Aber hat nicht auch die Liebe heutzutage ein Problem. Natürlich kann man schnell mal was liken. Ein „Like“ kostet nix. Hilft aber auch nix. Die Liebe, die Jesus vorgelebt hat, ist da von anderem Kaliber. Voll leidenschaftlicher Hingabe. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt.“ Leonhard war von dieser Liebe ergriffen.
„Liebe und dann tu, was du willst“,  sagt Augustinus. Auch ein großer Heiliger und Kirchenlehrer. Und man darf hinzufügen: Die Liebe hat immer Recht. Das ist eine tiefe Wahrheit, der wir Glauben schenken dürfen.

Auf zur Demo!
Nach dem Gottesdienst machen wir uns auf zur Demo. Ja, wir gehen auf die Straße und demonstrieren. Ohne Trillerpfeifen und Transparente. Dafür mit ihm, dem Heiligen Leonhard. Wir gehen mit ihm und demonstrieren für das, was ihm wichtig war und uns wichtig bleiben muss: die Wahrheit in Liebe. Das ist die eigentliche Alternative – nicht nur für Deutschland.

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