Mission von gestern?
Mission von gestern?
(Joh 20, 19-23)
„Mission…“ Ist das nicht was von gestern? Ich erinnere mich noch als Kind an das kleine Nicknegerlein an der Klosterpforte der Tutzinger Missionsbenediktinerinnen. Und an die geheimnisvollen schwarzen Schnitzereien, die es da zu kaufen gab. Aber das ist schon lange her. Und Mission, ist Mission nicht von gestern? Von wegen! Mission ist urchristlich. Und das Christentum zutiefst missionarisch.
„Die Kirche ist in ihrem Wesen missionarisch“, betont das Missionsdekret „Ad Gentes“. Aber warum eigentlich? Weil Christus missionarisch war! Genau genommen ist er der erste Missionar. Der eigentliche Missionar ist Jesus Christus. Vom Vater gesandt, ist er in die Welt gekommen. Wozu? Das sagt er uns am besten selbst: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und das Leben in Fülle haben!“ Das also ist seine Mission.
Nicht dass uns Jesus den Himmel auf Erden versprochen hat. Das haben manche Ideologien von Menschen getan. Er verspricht nicht den Himmel auf Erden, aber er verweist auf den Himmel über der Erde. Der Himmel ist die Vision des Glaubens, Horizont der Hoffnung und als Auftrag zum Einsatz für eine bessere Welt: „Vater unser im Himmel! Dein Reich komme!“
Halten wir fest: Mission beginnt bei Gott und Jesus Christus ist der erste Missionar. Und jetzt sind wir dran: Jesus bindet uns ein in seine Mission. Seine Mission macht er zu unserer Mission: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ Wir alle haben einen missionarischen Auftrag. Mission braucht schließlich Missionare.
Und was brauchen Missionare? Vor allem dies: einen lebendigen Glauben. Bemerkenswerterweise schickt Jesus seine Jünger mit nichts los: „Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!“ Sie haben eine einfache Botschaft: „Friede diesem Haus!“ Und einen klaren Auftrag: „Heilt die Kranken und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.“
Mission braucht keine komplizierten Konzepte. Sie braucht einen lebendigen Glauben. Deshalb ist überall, wo der Glaube lebt, Missionsgebiet. Weil Menschen mit ihrer Glaubensfreude andere anstecken. Mission ist ein geistliches, ein pfingstliches Ereignis. Erst mit der Begeisterung von Pfingsten ging Mission richtig los. Die Jünger waren auf einmal Feuer und Flamme. Und der frische Wind der Begeisterung ließ den Funken überspringen. Wovon das Herz voll ist, davon redet auch der Mund. Petrus und Johannes bekennen genau dies vor dem Hohen Rat: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“
Damit ist schon längst eine Antwort gefunden auf die Frage: „Dürfen wir überhaupt unseren Glauben zur Sprache bringen. Dürfen wir Christen missionieren?“ Das wäre in etwa so, wie wenn sich begeisterte Fußballfans die Frage stellen würden: „Dürfen wir über Fußball reden?“ Worüber denn sonst! Darum noch einmal: „Wovon das Herz voll ist, davon rede der Mund!
Mission ist bei Gott keine Einbahnstraße. Und bei aller Notwendigkeit von Spenden auch keine Frage des Geldes. Mission ereignet sich in einer lebendigen Begegnung im Glauben. Dabei werden wir im reichen alten Westen beschenkt von den jungen Kirchen und auch den Armen. Sie sind in den Favelas oft viel näher dran am Evangelium als wir, denen es doch eigentlich recht gut geht. Papst Franziskus hat darum auch gefordert: „Wir müssen von ihnen evangelisiert werden.“ Auch um wieder mehr Freude am Glauben zu finden.
Diese Freude teilen wir mit Christen auf der ganzen Welt. Dazu lädt uns heute der Weltmissionssonntag ein und das schon zum 100. Mal. Er ist die größte Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit. In mehr als 100 Ländern sammeln Gemeinden für die soziale und seelsorgliche Arbeit. Alle geben, alle tragen füreinander Verantwortung. Den Weltmissions-Sonntag habe ich schon mitgefeiert in Kenia und Burkina Faso. Und gestaunt, wie gebefreudig dort die Christen sind für Kirchen, die noch ärmer sind als sie.
Das Beispielland ist in diesem Land Madagaskar. Armut, Dürren und Wirbelstürme beeinträchtigen das Leben vieler Menschen. Der Kirche geht es bei ihrer Arbeit nicht nur um Kirchen. Es geht vielmehr um Menschen, alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer Religion. Wenn Schulen unterhalten werden oder Krankenhäuser oder der Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht werden soll. Die katholische Kirche ist eine echte Weltkirche. Und der erste und größte Global Player in Sachen Entwicklungshilfe.
Jesus hält uns zusammen. Halten wir zusammen mit ihm. Denn wir sind nach dem Ebenbild Gottes und aus seiner Liebe erschaffen. Wir alle sind eins in Christus. „Eins in Christus, vereint in der Mission.“ So lautet auch das Leitwort in diesem Jubiläumsjahr. Amen.
Fürbitten
Mission heißt Sendung. Wir danken Dir, dass Du Dich in Jesus Christus auf den Weg zu uns Menschen gemacht hast:
- Wir sind verbunden mit unseren Missionarinnen und Missionaren, die in vielen Teilen sich einsetzen für das Kommen Deines Reiches, für mehr Gerechtigkeit und Lebenschancen.
- Wir sind verbunden mit den ausländischen Geistlichen, die in Deutschland wirken und uns dabei helfen, den Glauben in unserer Gesellschaft lebendig zu halten.
- Wir beten für uns, dass wir den Glauben so überzeugend leben, dass er anziehend auf andere wirkt.
- Wir sind dankbar, dass die Operation und alle Nachuntersuchungen ein so positives Ergebnis hatten und wünschen Papst Leo weiterhin viel Kraft und Freude bei seinem Dienst in und für unsere Kirche.
Guter Gott, in Jesus Christus hast du uns versprochen: Wer suchet, der findet. Lass uns dich suchen in dieser Welt und am Ende finden für immer in Deinem Reich. Amen.
