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Mut statt Wut

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Mut statt Wut
Gedanken zur Friedenswallfahrt 2024

Finden Sie nicht auch: unsere Friedenswallfahrt war schon lange nicht mehr so aktuell wie in heute. Ganz offenkundig macht sich spürbar immer mehr Unfriede breit inmitten unserer Gesellschaft. Zunehmend gewaltbereite Proteste auf den Straßen, die auch vor tätlichen Übergriffen auf Andersdenkende und Politiker nicht mehr Halt machen. Es bricht immer mehr offen Wut aus. Von „Wutbürgern“ ist allenthalben die Rede. Den Begriff kannten wir vor Kurzem noch gar nicht, weil wir ihn nicht gebraucht haben…

Aber was macht einen normalen Bürger eigentlich zu einem Wutbürger? Fragen wir uns am besten gleich mal selbst: „Was macht mich wütend?“

Ungerechtigkeit. Wenn es nach meinem Empfinden ungerecht zugeht. Wenn andere nicht zu ihrem Recht kommen oder ihnen Unrecht geschieht.

Unwahrheit. Dabei sind es nicht einmal die Lügen, die ja kurze Beine haben. Es sind vielmehr die gezielten Halbwahrheiten, die sich einschleichen und zu einer systematischen Manipulation der öffentlichen Meinung beitragen sollen. Auch der Begriff „Fake-news“ geistert erst seit wenigen Jahren durch die Medienwelt.

Und dann ist da die Ohnmacht, die Menschen oft so wütend macht. Weil man nichts ändern kann und hilflos zusehen muss.

Wie ist darauf zu reagieren? Ja nicht resignieren! Übernehmen wir vielmehr Verantwortung! Haben wir Mut statt Wut. Was unsere Gesellschaft definitiv nicht braucht, ist ein Wut-Ausbruch. Wutbürger, Hetzer, Polarisierer haben wir bereits mehr als genug. Was wir brauchen, ist vielmehr ein „Mut-Ausbruch“!

In einer Gesellschaft, in der die Intelligenz schweigen soll, damit die Dummheit nicht beleidigt wird, brauchen wir mehr Mut zum aufrechten Gang. Mehr Mut, Haltung zu zeigen, und zwar insbesondere dort, wo der Zeitgeist eindeutig zu weit geht. Ebenso mehr Mut zum Zuhören, auch bei dem, was die andere Seite zu sagen hat. Wir brauchen den Mut für das Gute, für das Richtige einzutreten. Moliere hat schon recht: „Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir unterlassen.“

Oder sind viele einfach nur zu bequem geworden, Verantwortung zu übernehmen? Denn in Zeiten wie diesen spricht man gerne über die großen globalen Probleme, von der Klimakrise über die sogenannte kulturelle Aneignung bis hin zum Weltfrieden. Warum das so bequem ist? Genau so kann man nicht persönlich zur Verantwortung gezogen werden, sondern bekennt lieber die Mitschuld an großen, allgemeinen Fehlentwicklung und distanziert sich damit von der eigenen Verantwortung im kleinen ureigensten Bereich.

Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach hat in diesem Zusammenhang festgehalten: „Macht ist Pflicht – Freiheit ist Verantwortlichkeit.“ Wenn wir die Freiheit sichern wollen, müssen wir auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Da kommen wir an Pfingsten gerade recht! Das Pfingstereignis war ein Mutausbruch. Damals. Und das will Pfingsten auch heute sein. Jesus lässt uns nicht hilflos allein zurück. Er sendet vom Vater aus den Heiligen Geist. Er ist Kraft von oben. Der Geist weht, wo er will. Vorausgesetzt  wir wollen, dass er weht. Es ist und bleibt ein Beistand, der Mut machen will.

Der Geist Gottes macht Mut zur Wahrheit. Der Geist wird uns in die volle Wahrheit einführen. „Was ist Wahrheit?“, hat Pontius Pilatus skeptisch gefragt. Und doch hat Jesus schon längst zuvor seine Antwort darauf gegeben: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Jesus sagt uns immer die Wahrheit und das, was Recht ist. Und hat er nicht immer recht, mit dem was er uns sagt! Das Evangelium wendet sich an allen Ecken und Enden gegen die Ungerechtigkeit, die es ja schon immer gegeben hat.

„Der Geist, den ich vom Vater aussenden werde, wird euch an alles erinnern, was ich zu euch gesagt habe.“ Das ist auch dringend nötig! Weil viele hierzulande offenbar fast alles vergessen haben. Das können wir uns nicht erlauben.

Wir dürfen nicht unsere christlichen Wurzeln vergessen. Aus ihnen sind schließlich die Werte erwachsen, auf die wir nicht verzichten können: Die Achtung vor der Würde des Menschen, vor dem unantastbaren Lebensrecht und auch der Respekt vor der Meinungsfreiheit des anderen. Wir brauchen eine lebendige christliche Erinnerungskultur.

Wenn der Geist wirkt, wird er auch wieder Menschen näher zusammenbringen. Versprochen! Denn der Heilige Geist ist ein Geist der Einheit, der der Spaltung aktiv entgegenwirkt. Darum geht es Jesu. Der eins ist mit dem Vater, dass wir eins sind mit ihm und untereinander. Dafür dürfen und müssen wir als Christen Zeugen sein! Wir, die im Wasser und Heiligen Geist getauft sind und durch unsere Firmung darin bestärkt wurden.

Ein bekanntes Friedensgebet des Heiligen Franz von Assisi gibt uns dann noch eine wichtige Einsicht mit: Wenn sich in unserer Gesellschaft etwas ändern soll, und es muss sich vieles ändern, dann fangen wir am besten bei uns selbst an. Das nimmt Wut, denn es ändert sich was, weil wir es ändern. Und es macht Mut den anderen, auch dazu beizutragen, dass der Friede in unserer Gesellschaft wieder stärker spürbar wird.

 

Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

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