l

Noch mal von vorn?

Noch mal von vorn?
Ganz schön praktisch, so eine Digicam. Man filmt ganz einfach drauf los. Und am Ende wird alles schön zurechtgeschnitten und am Ende kommt raus, was man sehen will. Auch bei Musikaufnahmen ist das kein Problem. Selbst der große Horowitz hat sich im Alter bei der Einspielung eines Mozart Klavierkonzertes mal vergriffen. Macht nichts. Er hat sich anschließend einfach nochmal an den Flügel gesetzt und noch mal auf die richtige Taste gedrückt. Den richtigen Ton hat man einfach in die Aufnahme hineingeschnitten und der große Pianist hat sich spitzbübisch darüber gefreut.

Wieder und immer wieder Leben?
Zugegeben, manchmal würde man sich das auch im wirklichen Leben wünschen. Irgendwas hat bei ersten Mal nicht geklappt, einfach nochmal von vorn anfangen: In der Schule vielleicht eine Ehrenrunde gedreht; bei der Führerscheinprüfung nicht in den Rückspiegel geschaut und durchgefallen; eine Freundschaft nicht richtig gepflegt und sich aus den Augen verloren; oder die Arbeit schleifen lassen und den Job verloren. „Leben” – Klappe die zweite!“ Wenn das so einfach ginge mit dem rausschneiden im Leben. Life is live!“
Manche westliche Zeitgenossen haben eine gewisse Sympathie für fernöstliche Lehren entwickelt. Vor allem auch wegen der Möglichkeit der Wiedergeburt. Nach unserem Tod werden wir wieder geboren, können noch einmal von vorne anfangen. „Leben“ – Klappe zum Zweiten, zum Dritten und dann? Wenn sie einen Buddhisten fragen wird der spätestens jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Der Kreislauf der Wieder- und immer Wiedergeburt ist für ihn alles andere als erstrebenswert. Der Buddhist will aus diesem Kreislauf raus! Denn alles ist Leid: Geboren werden ist Leid und Leben ist Leid und Sterben ist Leid. Da kann die Wiedergeburt nicht gerade faszinieren. Ein Schüler, so wird erzählt, suchte den Buddha einmal unter dem Baum der Erleuchtung, einer Pappelfeige, auf. Und er fragte den Buddha, wie oft er denn dann wieder geboren werden müsse, bis er endlich in das Nichts des Nirwana eingehen können. Buddha erhob vielsagend den Arm und zeigte in die Baumkrone. So oft, wie der Baum Blätter hat…

Unser Leben ist einmalig
Christen denken anders. Unser Leben ist einmalig und damit unendlich kostbar. Darüber sollten wir uns freuen und unser Leben, jeden Augenblick, wertschätzen. Gott ist kein Gott der Wiederholungen, Wiederholungen gibt´s im Fernsehen, nicht bei Gott. Hand auf´s Herz! Wer von uns wollte wirklich nochmal von vorne anfangen. Oder die Lebensuhr auch nur um einige Jahre zurückdrehen?
Ein Leben, das sich wiederholen ließe, wird beliebig und am Ende langweilig. In der Einmaligkeit unseres Lebens liegt auch die Größe unserer Existenz: Jedes Wort, das wir sprechen, wirkt. Was wir tun, hat Folgen. Alles, was wir unterlassen haben, wurde nicht getan.
Das Evangelium zeigt uns die Einmaligkeit unseres Lebens auf. Und seine Entscheidungsträchtigkeit. Wir können unser Leben am Ende nicht noch einmal Leben. Dinge ungeschehen machen. So sehr der reiche Prasser auch darum bittet und bettelt. Life is live! Darum lohnt es sich auch, auf dieses eine Leben gut Acht zu geben. Ein zweites haben wir nicht.
Vielleicht ist das auch die wichtigste Botschaft in unserer Zeit. Die oft so beliebig und unverbindlich vor sich hin lebt. Ja, da spricht ein nachdrücklicher Lebensernst spricht aus dem Evangelium. Aber das kann einer Gesellschaft, die den Spaßfaktor so hoch hält, nur gut tun.
An diesem Samstag hat die Firmvorbereitung begonnen. Die Jugendlichen werden von jungen Erwachsenen begleitet. An zwölf Samstagen schauen wir einen Film an, der uns interessante Fragen stellt. Folge Nummer eins: Worum geht´s im Leben? Und die Frage nach dem ersten Break lautete: „Was würdest du mit den letzten 24 Stunden Deines Lebens anfangen.“ Die Frage kann man sich gar nicht früh genug an sich heranlassen. Es geht doch immer ums Leben. „Life is live!“

Ausgleichende Gerechtigkeit
Aber wir begegnen noch einem zweiten schönen Gedanken. Der Himmel ist eine Wiedergutmachungsaktion, eine Entschädigung für all die zu kurzgekommenen. Mag es in dieser Welt auch ungerecht zu gehen, und es geht ungerecht zu! Gott will denen am Ende denen gerecht werden, die ungerecht behandelt wurden. Geld regiert vielleicht die Welt. Im Himmel aber herrscht ausgleichende Gerechtigkeit. Der arme Lazarus durfte das nach all dem Leid in Abrahmas Schoß erfahren.
Und die Reichen. Es geht nicht darum, dass es denen die auf Erden gut leben konnten, am Ende schlecht geht. Gott liegt das Wohlergehen aller Menschen am Herzen, auch schon in dieser Welt. Nicht das Wohlergehen, sondern der ungerechte Reichtum, die Verschwendungssucht einiger Weniger auf Kosten vieler anderer ist es, die das Leben am Ende scheitern lässt. Und die Blindheit, gegenüber der Not, die oft in nächster Nähe zu finden ist. Lazarus lag unmittelbar vor der Tür des Reichen. Viel größer ist der Abstand zwischen Arm und Reich  in vielen Ländern der Welt auch heute nicht. Und doch scheint die Kluft schier unüberbrückbar.  Darum braucht er uns alle im Kampf gegen das Leid. Dabei darf es bei Gott nicht bleiben!
Freilich, von alledem will der reiche Prasser nichts gewusst haben. Am Ende bleibt ihm nur noch die eine Bitte. Er will seine Brüder warnen, damit sie nicht dasselbe Schicksal ereilt. Aber warum? Eigentlich weiß doch jeder schon längst Bescheid. Keiner kann behaupten, er habe nichts gewusst.
Jesus hat in seiner Weltgerichtsrede eine klar verständliche Gebrauchsanweisung gegeben:  „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben, ich war krank und ihr habt mich besucht, ich war im Gefängnis und seid zu mir gekommen.“ Immerhin hatten sich die Hunde des Lazarus erbarmt und seinen Wunden geleckt. Das hilft heilen.
Im Blick auf unsere Welt spüren wir, wie zeitlos aktuell das heutige Evangelium ist und bleibt. Und worum es am Ende immer gehen muss – und das am besten schon jetzt: Der Zugang zum Himmel ist ein offenes Herz. Wer sein Herz verschließt der bleibt draußen.

Share