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Palmsonntag 2026

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Palmsonntag 2026

Wir gehen hinein in die Heilige Woche. Worum geht´s? Es geht ans Eingemachte. Es geht um die Wahrheit. Oder mit den Worten des Pilatus gefragt: „Was ist Wahrheit?“

Das ist ja nicht von vorneherein ausgemacht. Es gibt ja auch die Unwahrheit. Und, was noch schlimmer ist: Halbwahrheiten. Was ist also in Wahrheit dran an diesem Jesus von Nazareth?

Der Auftakt heute könnte beeindruckender kaum sein: Jesus ist mit seinen Jüngern nach Jerusalem hinaufgezogen. Zum Paschafest platzt die Heilige Stadt aus allen Nähten. Viele der Pilger werden von Jesus aus Nazareth schon gehört haben. Manche sind ihm schon mal begegnet. Aber was ist dran an diesem Mann?

Ist er ein Wundertäter? Ein Prophet? Oder sollte er wirklich der Messias sein…? Aber den hat man sich doch so ganz anders vorgestellt!

Jesus zieht ganz bewusst auf einem jungen Esel zum Tempel hinauf. Ein Zeichen, das verstanden wurde. Ist es doch das Reittier eines Königs, der eben nicht auf einem Streitross einzieht. Da kommt ein Friedensfürst! Dazu wird er sich vor Pilatus auch bekennen: „Ja, ich bin ein König, aber mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Wie wahr!

Viele Menschen können sich am Palmsonntag für Jesus begeistern. Sie breiten ihre Kleider aus und jubeln ihm zu mit Palmzweigen in den Händen: „Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“ Was für ein Empfang!

Aber wie ist Jesus eigentlich wieder aus dem Tempel herausgekommen? Davon erfahren wir nichts! Anscheinend waren die meisten seiner Anhänger wieder weg. Wie schnell gehen Menschen auf die Straße, lassen sich Menschen mobilisieren und manipulieren. In wenigen Tagen wird es wieder die Masse sein, die schreit: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“ Wechselnde Mehrheiten…

Und schon sind wir mittendrin in der Passion. Das Blatt hat sich geändert. Die Frage nach der Wahrheit aber bleibt. Und Jesus bleibt sich und seiner Sendung treu.

Im Abendmahlsaal wäscht er den Jüngern die Füße: Ein Zeichen will er ihnen geben. „Dient einander, so wie ich euch gedient habe.“ Auch dem Judas hat Jesus die Füße gewaschen! Dann schenkt er sich den Jüngern leibhaftig in der Eucharistie. „Nehmt und esst, das ist mein Leib…“  Auch Judas war bei dieser ersten Heiligen Kommunion. Danach stiehlt er sich klammheimlich davon. Er wird Jesus noch am selben Abend verraten! Wie kann so etwas geschehen? Auch er wurde doch berufen und ist Jesus nachgefolgt! Und jetzt verrät er ihn mit einem Kuss?

Wann hat sich dieser Verrat angebahnt? Romano Guardini vermutet, nach der wunderbaren Brotvermehrung. Damals haben die Menschen Jesus geradezu bestürmt: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ Jesus gibt es Ihnen nie wieder. Weil er mehr hat für sie! Denn er selbst ist das Brot des Lebens. Die Leute begreifen diese tiefe Wahrheit nicht. Sie nehmen sich nicht die Zeit dafür und bleiben einfach weg.

Auch Judas hat es offenbar nicht verstanden, nicht verstehen wollen. Er hatte bekanntlich die Kasse. Ein Geschäft mit schnellem Brot wäre ihm wohl lieber gewesen als die Rede vom Brot des Lebens, das aus der Hingabe des Lebens gebacken wird. Im Abendmahlsaal hat Jesus es zum ersten Mal ausgeteilt. Auch dem Judas hat sich Jesus in die Hand gegeben, noch bevor dieser ihn veraten hat.

Und Petrus? Auch er, der Fels, auf den Jesus nach diesem Bekenntnis die Kirche bauen wollte, wird Jesus dreimal verleugnen. Danach weint er bitterlich. Ja, das Bekenntnis zur Wahrheit erfordert auch Mut! Wer wüsste nicht, dass es manchmal schwerfällt, sich öffentlich zur Wahrheit –sich in aller Öffentlichkeit zu Jesus Christus zu bekennen. Petrus hat geweint und bereut. Auch wenn er am Kreuz fehlt, von fern wird er wohl mitgelitten haben…

„Was ist Wahrheit?“ Die Frage des Pilatus bleibt stehen. Und sie begegnet in ihrer ganzen Dramatik am Kreuz. Jesus stirbt zu Tode gequält. Eines seiner letzten Worte lautet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Gibt das nicht allen recht, die nicht daran geglaubt haben, dass er Gottes Sohn ist. Das wäre eine trügerische „Halbwahrheit“. Man muss den Psalm 22 schon bis zu seinem Ende lesen. Dieses Sterbegebet der Juden endet nämlich nicht in Verlassenheit, sondern in tiefem Vertrauen, dass Gott am Ende rettet. Der Name „Jesus“ bedeutet nichts anderes: „Gott rettet.“

Aber die Wahrheit ist am Ende mehr als ein Fakt. Sie ist Person. Einer, der Jesu Leiden und Sterben, seine Hingabe am Kreuz aus nächster Nähe miterlebt hat, war ein römischer Hauptmann. Jesus wird er zuvor wohl noch nie gesehen haben. Aber im Blick auf den geschundenen Gekreuzigten bricht es aus ihm heraus: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn.“

Der Wahrheit über Jesus werden wir nur mit Jesus auf den Grund kommen. Lassen wir uns deshalb darauf ein, die Tage seines Leidens und Sterbens mit ihm zu gehen. Damit wir dann auch mit ihm Ostern feiern dürfen. Ohne seine Auferstehung bliebe uns nur der Tod. Das wäre traurig aber wahr. Amen.

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