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Peter und Paul?

ZU DIESER PREDIGT IST KEINE TONAUFNAHME VERFÜGBAR

Peter und Paul?
Gedanken zum Patrozinium in Feigenhofen

Kaum etwas  geht einem so selbstverständlich über Lippen wie „Peter und Paul.“ Zwei Namen wie zwei Unzertrennliche… Aber mit einiger Berechtigung könnte man auch „Peter oder Paul“ sagen. Denn kaum zwei Persönlichkeiten waren wohl verschiedener als eben diese beiden.
Petrus, oder wie er ja eigentlich heißt: Somon, dieser einfache Fischer am See Genezareth, wurde von Jesus in einem Augenblick seines höchst gewöhnlichen Alltags ganz persönlich als einer der ersten berufen. Jesus nimmt ihn immer mit, wenn nicht alle 12 Dabei sein sollten. Auf den Berg der Verklärung ebenso wie auf den Ölberg. Petrus ist der Sprecher der Apostel. Immer wieder ist er es, der als erster hinsteht und den Mund aufmacht. Sein Messiasbekenntnis ist legendär. „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“, will Jesus wissen. Aber dann geht es ihm doch nicht um die Meinung anderer, sondern darum, was seine Jünger von ihm halten. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus bleibt seine Antwort nicht schuldig: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Daraufhin erklärt Jesus den Simon zum Petrus, das heißt: „Fels“.
Petrus, dieser Fels, wurde aber immer wieder auch schwach und kam ins Wanken. Aber er hat sich immer wieder gefangen. Nach der dreimaligen Verleugnung bekennt er dem auferstandenen Jesus dreimal seine Liebe. „Herr, Du weißt alles, du weißt auch, dass ich die lieb habe.“ Auf diese Liebeserklärung hin vertraut Jesus den Felsen mit der Seelsorge an seiner Herde: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe!“
Nach Pfingsten tritt der einfache Fischer an den Stufen des Jerusalemer Tempels als mutiger Prediger auf. An Petrus kommt jetzt keiner mehr vorbei. Er ist der Fels in der Brandung einer jungen Kirche, die sich schon bald der Verfolgung ausgesetzt sehen wird.
Und Paulus? Er war zunächst gar kein Jünger Jesu sondern ein Verfolger der Jünger Jesu. Keiner, der aus dem frommen Jerusalem stammte, sondern aus dem weltoffenen Tarsus. Er konnte Griechisch und war gut ausgebildeter Pharisäer. „Ein Eiferer für das Gesetz“, wie er selbst zugibt. Jesus ist er persönlich nie begegnet. Aber er wird in einer unglaublich dramatischen Offenbarung vom Herrn berufen, das Evangelium zu verkünden. Auf diese Berufung vor den Toren Damaskus stützt Paulus sein selbstbewusstes Auftreten. Auch er versteht sich –außer Frage- als Apostel Christi.

Petrus nicht ohne Paulus
Erst Jahre nach seiner Berufung wird Paulus Petrus ein erstes Mal in Jerusalem begegnen. Und die zweite Zusammenkunft hat einen Grund: die beiden waren sich in einer wichtigen Streitfrage nicht einig. Welche Voraussetzungen braucht es, um Christ zu werden? Muss man sich erst beschneiden lassen und sich dem Gesetz des Mose unterwerfen? Oder ist das nicht mehr nötig, weil Jesus einen neuen Bund gestiftet hat? Petrus und die Apostel in Jerusalem waren zunächst für eine strikte Lösung. Paulus hält dagegen. Er wusste um die Einstellungen der Andersdenkenden. Ihm ging es darum, allen einen Zugang zum Evangelium zu ermöglichen. Auch den Heiden.
Beide ringen auf dem Apostelkonzil in Jerusalem und finden schließlich zu einem tragfähigen Kompromiss, den beide dann auch umsetzen. Und jeder macht das, was er kann. Oder besser gesagt, wofür er von Jesus berufen war. Der eine ist und bleibt Petrus, der Fels in der Jerusalemer Urgemeinde. Der andere ist und bleibt der Völkerapostel. Auf seinen Missionsreisen bahnt er Christus unermüdlich den Weg auch zu den Heiden. Eine sinnvolle Aufgabenteilung. Petrus und Paulus haben sich gut ergänzt und vollen Einsatz gebracht. Die junge Kirche brauchte für ihren Erfolg beide: Petrus und Paulus. Daran liegt es wohl, dass wir beide oft in einem Atemzug nennen und sie auch gemeinsam feiern. Die beiden waren ein ideales „Gespann“. Sie hatten ein gemeinsames Ziel: Jesus Christus zu verkünden. Jeder mit seinen Fähigkeiten, jeder auf seiner „Position“. Und auf alle Fälle mit vollem Einsatz:

 Alle für Einen
Auf das Miteinander, das Zusammenspiel kommt es an. Damals wie heute. Wir leben in der Zeit des „entweder oder“ und der einfachen Lösungen. Viele Menschen haben die Sehnsucht nach starken Führern, die klar sagen, wo es lang geht. Das mag verständlich sein. Aber in einer komplizierteren Welt machen vermeintlich einfache Lösungen es nicht einfacher. Im Gegenteil. Internationale Krisen oder Welthandelsfragen lassen sich eben nicht per Twitter lösen. Alleingänge führen höchstwahrscheinlich in die Irre.
Worum geht es dann? Damals wie heute? Dass sich Menschen zusammensetzen, auseinandersetzen und offen und ehrlich nach gemeinsamen Wegen suchen. Nur wenn es gelingt, möglichst viele „mitzunehmen“ kann man am Ende auch viele und vieles erreichen und etwas wirklich voranbringen.
Petrus und Paulus hatten ein gemeinsames Ziel. Es ging ihnen wirklich um die Sache Jesu. Geld hat sie nicht interessiert und auch nicht der Ruhm in der Öffentlichkeit. Sie wollten allein das Evangelium voranbringen, nicht sich selbst. Darum haben sie sich auch geachtet und geschätzt. Das ist das Geheimnis ihres Erfolges: Voller Einsatz für die gemeinsame Sache. Dass beide am Ende ihres Lebens ihr Leben geben für Jesus zeigt, wie über-lebenswichtig für sie der Glaube an ihn war.
Was das für uns bedeutet, hier in Feigenhofen, am Tag unseres Patroziniums? Peter oder Paul? Wir feiern Peter und Paul gemeinsam – und das ganz bewusst aus Überzeugung. Denn wir brauchen beide… und wir brauchen Markus, Dorothea und Tobias, unsere Ministranten, unsere Mesnerin Frau Spirk und unsere Kirchenpflegerin, Frau Eisele, und die Kirchenverwalter, unsere Kirchenmusiker und, und, und. Wir brauchen uns alle zusammen. Gut dass wir uns haben! Feiern wir dankbar, dass wir zusammengehören – mit Petrus und Paulus zu Christus. Setzen wir uns miteinander dafür ein, dass der Glaube an das Evangelium lebendig bleibt. Früher gab es Schilder in vielen Kirchenbänken; jeder hatte seinen festen Platz in seiner Kirche. Feste Schilder gibt es heute zumeist nicht mehr, aber wir alle haben unseren Platz in der Kirche, den kein anderer für uns ausfüllen kann. Halten wir zu dem, der uns zusammenhält: Jesus Christus.

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