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Versteck dich -nicht!

Versteck dich -nicht!
Gedanken zum 10. Sonntag i. J. (Gen, 3, 9-15)

Wir haben es als Kinder wohl alle immer wieder gespielt, „Versteck Dich!“ oder „Versteckerle“. Wir erinnern uns an den Schauer, der über unseren Kinderrücken gerieselt ist, sobald der Sucher ganz in unserer Nähe war. Und die Erleichterung, wenn er uns nicht bemerkte und weiterging. Das Spiel endet natürlich erst, wenn alle gefunden sind. Und das konnte dann schon dauern. Aber einfach früher aufhören, das kommt nicht infrage.

Ein Versteckspiel haben wir in der Lesung soeben auch mitbekommen. Nur hat sich da einer nicht aus Spaß versteckt, sondern aus Furcht. Oder sagen wir es genauer: aus Scham. Weil er nackt war. Nein, man hat ihn nicht seiner Kleider beraubt, wie später einen ganz anderen. Er selbst hat sich eine Blöße gegeben. Sich selbst bloßgestellt. Und das ohne Not. Wir alle kennen seinen Namen: es ist Adam. Adam bedeutet im Hebräischen „Mensch“, im Unterschied zu anderen Lebewesen. Der Mensch an sich ist also gemeint, und damit wir alle, die wir Menschen sind.

Wie konnte er nur? Das wissen wir doch alle: er hat etwas getan, was er nicht hätte tun sollen. Er ist der Versuchung erlegen. Und er ist gefallen. Soweit, so menschlich.
Die Sache wird freilich nicht besser, indem man sich versteckt, vertuscht, unter den Teppich kehrt. Vor allem, wenn das Spiel, erst zu Ende ist, wenn alle gefunden sind. Das gilt umso mehr, wenn es sich bei, dem der sucht, um Gott handelt.

„Adam, wo bist du?“„Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin und versteckte mich.“ Nackt war Adam schon vorher, was sein Äußeres betrifft. Nun aber hat er sein Inneres bloßgestellt. Und das spürt er auch.

Die erste Reaktion ist menschlich. Man sucht einen Schuldigen. Die Frau ist schnell gefunden: Eva. Und Eva wird sagen: „Die Schlange hat mich verführt“. Und wer hat eigentlich die Schlange gemacht? Richtig! Gott. Und man hat den lieben Gott wieder mal als den wahren Schuldigen ausgemacht.
So und nicht anders läuft das Spielchen doch oftmals ab: Menschen geben der Versuchung nach, finden Ausreden, geben anderen die Schuld, beschuldigen den lieben Gott und machen am Ende weiter wie bisher.

Nur: das ist kein Spielchen, bei dem Gott mitspielt. Gott meint es ernst mit dem Menschen und er will, dass aus uns das wird, was wir sind: sein Ebenbild. Und dazu passt nun mal gar nicht, was Adam und Eva so zu treiben begonnen haben. Sich am Baum der Erkenntnis zu vergreifen. Und diese Versuchung des Menschen gibt es: sein zu wollen wie Gott.

Gott ist gewiss kein Spielverderber, aber er spielt nicht bei allem mit. Und das ist gut so. Gut ist erstens: er sucht den Adam. Wo bist du? Und Gott sucht auch uns: Frage: wo bin ich eigentlich, wenn Gott mich sucht? Kann er mich leicht finden in seiner Nähe oder muss ich mich vor ihm verstecken?

Gut ist zweitens: Gott zieht Konsequenzen! Er hätte Adam ja auch laufen lassen können. Dann hätte der sich und seiner Eva ein hartes Leben erspart, aber die beiden wären am Ende verkommen. Menschen, die Fehler machen, und zu denen gehören wir wohl alle, sollen die Chance haben, daraus zu lernen. Andernfalls wird’s am Ende ja nicht besser. Schwamm drüber reicht eben nicht aus.

Und auch das ist positiv: Das Versagen des Menschen, das Versagen der Menschheit, ist Gott am Ende so zu Herzen gegangen, dass er selbst Mensch wird. So paradox es klingt: dafür dürfen wir dem Adam und seiner Anstifterin direkt danken. Denn ihr Fehltritt, der in uns allen steckt, hat den Fuß in die Tür unserer Erlösung bekommen und uns den Zugang zur Auferstehung eröffnet. Im Osterlob der Auferstehungsfeier wird darum auch der Sündenfall Adams ausdrücklich besungen: „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“

 Bei manchen hört alles auf, wenn die Kirche bei Adam und Eva anfängt. Aber genau bei den beiden fängt die Geschichte des Menschen mit Gott eigentlich an. Dass wir sein Ebenbild sein können, es aber leider oft nicht sind. Dass wir uns vor Gott verstecken müssen, weil er uns so nicht finden soll – bloßgestellt, wie wir uns haben. Dass Gott uns aber so lange sucht, bis er uns endlich gefunden hat. Und uns am Ende, wenn wir nur wollen, von der Frucht der Erlösung zuteil wird. Diese Frucht hat übrigens Maria als Mensch in Jesus Christus empfangen. Maria ist so der neue Mensch, so wie er von Gott gedacht ist. Sie ist die andere Eva. Darum: wenn wir „Eva“ wenden, kommt „Ave“ heraus. „Ave Maria.“ Amen.

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