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Weiter so?

Weiter so?
Gedanken zum 3. Fastensonntag (Lk 13, 1-9)

Da bricht vor über drei Jahren ein Krieg in Europa aus, der immer noch blutig tobt.

Da wird der Oberbürgermeister von Istanbul vor 4 Tagen festgenommen, um ihn politisch auszuschalten. Hunderttausende protestieren auf den Straßen und die Polizei geht brutal gegen sie vor.

Und hierzulande finden immer mehr blutige Anschläge auf offener Straße statt… Verrohung im öffentlichen Raum, wachsende Gewalt an Schulen, und, und, und…

Und im Gazastreifen wird wieder gebombt.

Was kann uns eigentlich noch schrecken? Der Einsturz eines im Bau befindlichen Turms in der Jerusalemer Stadtmauer, der 18 Todesopfer forderte? Oder ein Statthalter, wie damals Pilatus, der neben vermeintlichen Aufrührern auch unbeteiligte Galiläer niedermetzeln ließ?

Wie gehen wir mit all den Schreckensmeldungen um? Nun gut, vieles ist weit weg. Und das andere trifft dann auch die anderen…

Freilich, manche erschrecken noch. Aber immer mehr haben sich an die Zustände gewöhnt. Und nicht wenige resignieren. Nach dem Motto: „Was kann ich da schon ändern.“

Von einem Politikwechsel war ja erst kürzlich die Rede. Und das Wahlergebnis sprach auch ganz dafür. Und jetzt? Was ändert sich am Ende eigentlich? Oder bleibt alles beim „Weiter so“? Nun könnten wir weiter politisieren. Uns mit der Weltlage beschäftigen und die Schuld bei „denen da oben“ suchen. Aber das bringt auch nicht weiter.

Genau darum schiebt Jesus uns da auch einen Riegel vor. Meint ihr nur die anderen…? „Nein auch ihr! Ihr alle werdet umkommen, wenn ihr nicht umkehrt!“ Eine echte Provokation. Aber zu unserem Heil! Denn Jesus verweist uns auf den Handlungsspielraum, den wir haben. Und doch viel zu wenig nutzen. Auf unser eigenes Leben und unser persönliches Umfeld. Auf das kommt es für uns doch ganz entscheidend an! Das allgemeine „Weiter so“, das hierzulande viele aufregt, ist ja nicht nur eine politische Kursbestimmung. „Weiter so“ machen wir wohl oft auch selbst in so manchen Bereichen unseres Lebens, wenn wir ehrlich sind und uns ehrlich machen. Wir machen oftmals weiter so, obwohl es nicht gut ist und uns nicht guttut. Ob es Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sind. Verhaltensmuster im Umgang mit anderen. Ob es Charakterschwächen sind, die wir allzu gerne entschuldigen. Wie auch immer…

Umkehren ist angesagt! Und da steckt das Wort „kehren“ drin. Ein erster Hinweis ist damit schon verbunden: „Kehre jeder erst mal vor seiner eigenen Haustür!“

Und dann stellt uns Jesus einen Feigenbaum vor, der schon drei Jahre lang keine Frucht bringt. Was zu tun ist, erfahren wir dann: Zunächst einmal gibt es noch eine Chance. Der Feigenbaum wird nicht gleich umgehauen. Er bekommt noch einmal Zeit. Aber nicht unbegrenzt. Ein Jahr. Das nenn´ ich eine klare Zeitansage. Irgendwann ist die Zeit vorbei.

Und was soll man in der Zwischenzeit tun? Schauen wir wieder auf den Feigenbaum. Zunächst wird Erdreich gelockert. Eine gute Idee! Nicht mehr Druck, sondern mehr Lockerheit hilft, wenn sich wirklich was ändern soll. Das sehen wir in Großen: wenn Standpunkte zementiert sind, Positionen festgefahren und die Fronten verhärtet, kann sich schwerlich was zum Guten wenden.

Das ist in unserem Lebensbereich doch ähnlich. Zu viel Druck, den wir uns selbst machen oder andere auf uns ausüben, bewirkt oft das Gegenteil von dem, was wir eigentlich wollen. Und auch das ist wahr: wenn wir stur auf unseren Standpunkten beharren und Beziehungen festgefahren sind, lässt sich auch nur wenig ändern. Lockern heißt, die Dinge mal aus einer anderen Perspektive anzuschauen und, warum nicht, Alternativen in Betracht zu ziehen.

Nachdem der Boden gelockert wurde, wird er dann auch noch ausgiebig gedüngt. Das gelingt übrigens erst dann… Man verwendet das Düngemittel, ohne zu wissen, ob´s am Ende auch was bringt. Das ist ein Vorschuss an Vertrauen. Auch das kann nur guttun: wenn ich mir zutraue, etwas zu ändern, wenn ich anderen auch zutraue, etwas zu verändern, dann erst kann sich etwas ändern. Und es gibt so vieles, was das Leben düngt und bei der Umkehr hilft: Motivieren und Mut machen, auch kleine Fortschritte sehen und sie loben. Rückschläge auffangen und wieder neu anfangen.

Mehr Tipps gibt Jesus an dieser Stelle nicht. Aber vielleicht ist das auch ein guter Tipp: machen wir es nicht zu kompliziert. Fangen wir einfach an, nicht einfach immer weiter so zu leben. Immer dann, wenn wir spüren, dass sich was ändern soll, versuchen wir es auch zu ändern. Gehen wir mit der nötigen Geduld an die Sache heran und bleiben wir entspannt. Aber nehmen wir auch die Zeit wahr, die uns gegeben ist. Die Fastenzeit ist und bleibt eine „Primetime“ zur Umkehr.

Und vergessen wir nicht: Umkehr heißt im griechischen Urtext des Evangeliums: „Metanoia“. Und „Metanoia“ meint die Umkehr des Geistes und des Herzens. Es geht also um einen Gesinnungswandel hin zum Guten und damit hin zu Gott. Amen.

 

Guter Gott, die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr, der Hinkehr zu Dir

  • Wir bitten für alle, die Dich aus dem Blick verloren haben.
  • Wir bitten für alle, die sich einfach gehen lassen.
  • Wir bitten für alle, die sich unter zu großen Druck setzen.
  • Wir bitten für uns, um die Gabe uns selbst und andere zu motivieren.

Guter Gott, unser Leben ist Zeit aus Deiner Ewigkeit. Das entspannt und verpflichtet zugleich.

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