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Letzte Worte…

Ein Wort zuvor

„Wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit!“
Dieser Satz hat mich zutiefst berührt.
Er stand in einer Todesanzeige.
„Wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit!“

Was wird wohl einmal in meiner Todesanzeige stehen?
„…nach einem langen erfüllten Leben…“?
„…plötzlich und unerwartet…“?
„…nach langer Krankheit…“ / „…nach kurzer Krankheit…“?
„…sanft entschlafen…“?
Ich weiß es nicht. Alles ist möglich!

Auch den Tag des Jahres an dem ich sterben werde, kenne ich nicht.
Ich habe ihn schon 62 Mal erlebt.
Oder vielleicht besser gesagt „überlebt“.
Wie viel Jahre noch dazukommen? Auch das weiß ich nicht!
Sicher ist nur, er kommt ganz bestimmt.
Dieser eine Tag. Mein letzter Tag.
Und diese eine Stunde. Meine letzte Stunde.
Wer wird da wohl bei mir sein?
Was will ich noch sagen – ganz zum Schluss?
Es lohnt sich einmal in Ruhe darüber nachzudenken!

                                                                                                                      Helmi Arend

 

Letzte Worte

Adolf Kolping
Deutscher katholischer Priester, der sich insbesondere
mit der sozialen Frage auseinandersetzte, und
Begründer des Kolpingwerkes zu seinem Bruder:
„Nun gib gut acht; was du jetzt an mir siehst,
ist das Interessanteste von der Welt. (…)
Da, nimm dieses Kreuz und wehre dich damit!“

Königin Marie von Bayern
Als sie in Hohenschwangau im Sterben lag,
richtete sie zuletzt ihr brechendes Auge noch einmal
auf die schöne Landschaft vor dem Fenster und sprach:
„Ich gehe von einem schönen Land in ein noch schöneres.“

Robert Bellarmin
Jesuit, Theologe und Kardinal:
„Jesus, ich bin reisefertig!“

Charles Darwin
Naturwissenschaftler und Vater der Evolutionstheorie
Hat sich als Wissenschaftler viel mit der Frage beschäftigt
wie das Leben im Großen und Ganzen funktioniert:
„Ich habe nicht die geringste Angst vor dem Sterben.“

Bob Marley
Musiker und Aktivist
Für viele Anhänger und Menschen der 3. Welt
eine wichtige Identifikationsfigur:
„Geld kann Leben nicht kaufen.“

Albert Einstein
Deutscher Physiker der die Relativitätstheorie aufstellte:
„Ich habe meine Sache hier getan.“

Nancy Astor
Britische Politikerin
Erstes weibliches Parlamentsmitglied des Vereinigten Königreiches.
Setzte sich für das Frauenwahlrecht ein:
„Sterbe ich oder ist heute mein Geburtstag?“

Dietrich Bonhoeffer
Evangelischer Theologe.
Beteiligte sich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Kurz vor seinem Tod im KZ Flossenbürg:
„Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“

Cesare Borgia
Italienischer Renaissancefürst, Feldherr, Kardinal und Erzbischof:
„Ich habe für alles Vorsorge getroffen im Laufe meines Lebens,
nur nicht für den Tod, und jetzt muss ich völlig unvorbereitet sterben.”

Konrad Adenauer
Erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Inmitten seiner verzweifelt weinenden Familie:
„Da gibt es nichts zu Weinen.“

Königin Elizabeth I von England
Ihr letzter Wunsch kurz vor ihrem Tod:
„All mein Besitz gegen einen einzigen Moment mehr Zeit.“

Sophie Scholl
Mitglied der Widerstandsgruppe der Weißen Rose
im 2. Weltkrieg auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung
im Februar 1943:
“Die Sonne scheint noch.”

Hans Scholl
Bruder von Sophie Scholl
Auch er wurde für seine Arbeit im Widerstand verurteilt
und hingerichtet. Seine letzten Worte:
“Es lebe die Freiheit!”

Johannes Paul II.
Über 26 Jahre lang Papst der römisch-katholischen Kirche.
Er hinterließ uns diese Botschaft vor seinem Tod:
“Seid froh, ich bin es auch.”

(M) Eine gute Sterbestunde
„Der Tod gehört zum Leben“, sagt man so… Und es stimmt auch so.
Alle Menschen müssen sterben. Stimmt auch. Fragt sich nur, wann und wie…
Die einen wollen sterben, können aber nicht. Die anderen wollen nicht sterben, müssen aber. Für die einen kommt der Tod als Erlösung. Andere reißt er mitten aus dem Leben.

Weil das alles so ist und wir nichts daran ändern können, müssen wir ihn annehmen: den Tod.
Wie hat es der Selige Carlo Acutis mit einem vielsagenden Lächeln auf seinem 15 jährigen Gesicht in die laufende Kamera verkündet: „Ich bin dazu bestimmt, zu sterben.“
Wie gehen wir mit dieser Bestimmung des Lebens zum Sterben um?
Macht mir das Angst? Oder öffnet mir diese Einsicht die Augen? Damit ich bewusster und aufmerksamer lebe…
Ich denke der zweite Weg hilft uns wirklich weiter. Der Tod will uns keine Angst machen.
Er will uns vielmehr die Augen öffnen für das Leben. Was wichtig ist und wichtig bleibt. Gerade auch in der Stunde unseres Todes. Denn es gibt kein „letztes Stündlein“, das dem Menschen am Ende schlägt. Es gibt eine letzte Stunde: die Todesstunde. Und die ist wohl die allerwichtigste Zeit im Verlauf eines ganzen Lebens.
Darauf wollen wir doch vorbereitet sein. Denn, wenn der Tod kommt, bleibt oft keine Zeit mehr, das Sterben zu lernen.

Gut streben können, das wollen ja viele. Aber was heißt das eigentlich? Und wie geht das am Ende? Natürlich wissen wir nicht wie, wo und wann es einmal soweit sein wird. Das ist auch gut so. Stellen wir uns vor, wir wüssten nicht nur unseren Geburtstag sondern auch unseren Sterbetag…!
Unsere Sterbestunde können wir nicht als „festen Termin“ in unseren Kalender eintragen. Das aber sollte uns nicht daran hindern, darüber nachzudenken, wie wir denn gerne einmal sterben wollen. Und darum auch zu beten: um eine gute Sterbestunde.
Um die rechte Zeit. Um den rechten Ort. Um die nötige Kraft, Loszulassen…
Im Kreis der Lieben – oder doch lieber allein?
Reden wir mit unseren Angehörigen darüber, wie wir es einmal haben möchten, wenn es uns geschenkt wird, unsere letzte Stunde bewusst zu erleben. Das Sterben ist ein Akt des Lebens. Der Mensch wird nicht gestorben.
Weil wir nicht wissen, wann die Stunde kommt. Und was uns dann noch möglich ist, und was nicht…: Bereiten wir uns auf das Sterben vor, indem wir vorausschauend leben und Vertrauen aufbauen, das uns am Ende Mut macht, wirklich loszulassen und zu gehen.
Was dabei wichtig ist: Entsorgen wir zur rechten Zeit. Nicht nur unsere Habe. Wir können und wir wollen nichts mitnehmen. Probleme wollen zuvor noch gelöst sein, Unausgesprochenes ausgesprochen werden.
Wertvolles gilt es, in gute Hände zu geben. Und dabei geht es nicht nur um Vermögenswerte. Sondern um das, was uns im Leben so wichtig geworden ist, dass wir es der Nachwelt wissen lassen sollten. Für wichtige Gespräche sollte am Ende genügen Zeit bleiben.

Sterben können am Ende wohl die am besten, die sich darauf gut vorbereitet haben. Und weil wir nicht wissen, ob am Ende viel Zeit zur Vorbereitung bleibt, lohnt es sich vorbereitet zu sein. Auch im Blick auf unsere Planungen. „Wenn Gott will, und ich noch lebe“, stellt die Lebensplanung immer unter dem richtigen Vorbehalt. Ein Gedanke, den die Menschen früher noch öfter ausgesprochen haben.

Und dann sollten wir auch nicht nur von der Sterbestunde sprechen. Es geht doch vielmehr um unsere Geburtsstunde. Wie unsere Augen bei unserer Geburt das Licht der Welt erblickt haben, so öffnen sich im Sterben die Augen unserer Seele für die Ewigkeit, in der uns ewiges Licht leuchtet. Welches Staunen uns da erwartet!
Auch wenn keine Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, und wenn es in keines Menschen Sinne gelang ist, was Gott denen an Großem bereitet hat, die ihn lieben; darauf freuen dürfen wir uns allemal! Vielleicht ist das auch das Beste an einer guten Sterbestunde.
Dass wir am Ende gar nicht sterben, sondern ewig leben, weil wir geglaubt haben an Ihn, der die Auferstehung und das Lebens ist: Jesus Christus. Hat er nicht im Angesicht des toten Lazarus Marta gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh 11, 25). So gesehen ist ein gläubiges Leben immer noch die beste Vorbereitung auf den Tod. Und die Sterbestunde die wichtigste Zeit unseres ganzen Lebens.

Pfr. Ulrich Lindl

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